Impuls

„Voll ausgebremst“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

unsere Gesellschaft hat in den vergangenen Wochen eine Vollbremsung hingelegt. Sie kam zum Stehen. Ich stelle es mir so vor, als ob ein Rennwagen auf sandigem Boden von 250 auf 0 km/h runterbremsen muss. Er schlingert und rutscht. Das Heulen des Motors verstummt. Es wird still. Und alles drum rum versinkt schließlich in dichtem Staub. Und dann? Irgendwann nun beginnt der Staub sich langsam wieder ein wenig zu lichten…

Innerhalb dieses Bildes stehen wir heute – Anfang Mai 2020 – wo gerade? Diese Frage stelle ich mir. Befinden wir uns noch immer in den letzten Zügen der Vollbremsung? Haben wir das Geschehene in seiner Tragweite bereits vollends realisiert? Und verzieht sich der Staub in diesen ersten Mai-Tagen bereits wieder ein wenig?

Auch wir als Gemeinden mussten alle öffentlichen Veranstaltungen inklusive Gottesdienste absagen – bis gestern. Und das irritiert. Niemand bremst gerne, schon gar nicht bei uns hier in Deutschland. Die Bedrohung scheint auch noch so unwirklich zu sein: Es gibt bei vielen Gott sei Dank noch immer nur vereinzelt Corona-Fälle in der unmittelbaren Umgebung. Vom Gefühl her ist die Krise vor allem eine in den Nachrichten und dort eben dann doch weltweit und durchaus ernsthaft.

Damit es möglichst kontrollierbar bleibt, Krise und Virus nicht bedrohlich näher kommen: Deswegen haben wir gebremst. Gar nicht nur allein uns zuliebe, sondern zum Wohl und Schutz aller und vor allem der vielen Schutzbedürftigen betagten Alters und denen mit ernsten Vorerkrankungen. Doch was passiert nun, wenn der Staub sich langsam wieder lichtet? Sind eben alle miteinander noch immer nicht sicher überm Berg.

In dieser ausgebremsten, schlingernden und ungewissen Zeit hilft es, den Blick auf den zu richten, der fest steht und sicher. GOTT. In der Bibel heißt es, dass sein Wort des Trostes, der Orientierung und der Hoffnung ein Fundament für unser Leben sein kann. Gott ist da. Ist da in unserer Unsicherheit, in unserer Langeweile, in unserer Überforderung. Und wo Gott ist, da ist Leben. Denn Gott spricht: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr ‘s denn nicht?“

Darum Augen auf in den kommenden Tagen und Wochen – Augen auf auf der Suche nach so manch Neuem, das unter allem dornigen Corona-Geäst auch wieder aufwächst… Ganz viele solcher Augen-Blicke – die wünschen wir Ihnen und Euch!

Übrigens: Wie es mit den Gottesdiensten bei uns vor Ort weitergeht, darüber beraten die Kirchenvorstände in diesen Tagen. Sobald Konkretes feststeht, werden wir Sie zeitnah darüber informieren

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Gottesdienst an Jubilate

#WirFeiernGottedienstZuhause

Sehen Sie sich die Predigt für den 03.05.2020 von Pfarrer Gerd Schamberger auf Youtube an!

„Land des Lächelns“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir wollten Sie vom Pfarrbüro unserer Pappenheimer Kirchengemeinden aus kurz vor dem verlängerten Wochenende nochmal geschwind besuchen kommen und dabei einfach mal nachfragen, wie es Ihnen gerade so geht – an der Schwelle zum Wonnemonat Mai …

Die Kleinen tun sich oft ganz leicht mit dem Lächeln.

Hallo, ist da jemand?
Wir melden uns mit einem Lächeln bei Ihnen –
bekommen wir ein Lächeln zurück?
Sonst versuchen wir es später noch einmal,
das wäre kein Problem.

Manchmal nämlich ist es gar nicht so leicht damit.
Plötzlich ist es einfach verschwunden
und möchte gesucht und wiedergefunden werden.
Und dann, auf einmal – da zaubert es sich wieder
wie von selber auf unser Gesicht.

Ein Lächeln für Dich.
Eins für Sie!
Und für Sie natürlich auch!
Ein Lächeln mit der Osterbotschaft im Rücken –
ein Neuanfang, ein zartes Lächeln
und auf den Wegen durch diese Tage und Wochen
als Begleitung dazu Gottes spürbaren Segen
für Dich und natürlich für Sie auch.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Mobil mit 94

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir wollen Sie alle heute einfach mal teilhaben lassen an einer Geschichte, die Zeiten wie diese eben auch immer wieder schreiben:

Das erste Mal mit gut 94 Jahren mutet an wie ein Traum. Schön – und doch so unwirklich. Wie kann das sein, dass sie auf ihrem Mobiltelefon gleichzeitig Tochter, Enkelin und sich selbst sehen kann? Ihr seid doch zu Hause, fragt Oma vorsichtshalber, während sie sich rasch noch die Haare richtet. Dass sie an diesem Sonntagmorgen trotz der Corona-Abstandsregeln ihre Familie „zu Besuch“ hat, das ist dann doch überraschend. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, allein zu frühstücken. Dann klingelte das Telefon – und nun sitzt sie in einer Dreier-Videokonferenz. Was doch ein so langes Leben alles mit sich bringt.
Diese digitale Begegnung ist einer der wertvollen Momente, die es in dieser Corona-Krise trotz allem eben auch gibt. Senioren wachsen über sich hinaus, damit sie ihre Angehörigen sehen können. Wagen englische Begriffe auszusprechen wie „Skype“, „Chat“ oder „Live-Stream“. Lernen, dass es Menüs nicht nur im Restaurant gibt. Dass man das Smartphone nicht nur ans Ohr hält, sondern auch am ausgestreckten Arm direkt vors Gesicht.
In Zeiten von Corona zahlt sich aus, wenn man vorher schon mal etwas geübt hat. Als Oma vor gut vier Jahren ihren 90. hatte und in eine altersgerechte Wohnung umgezogen war, hat man ihr ein iPad besorgt. Ein altersgerechtes Geschenk. Großer Bildschirm, großer Knopf, der Rest nur Fingerwischerei. Tablets sind wie gemacht für Senioren. Sie können sich Fotos ihrer Kinder, Enkel und Urenkel schicken lassen, können sich auf – Achtung Englisch! “Jutube” längst vergessene Lieder wieder anhören. Ach, was haben wir getanzt, als wir noch jung waren und verliebt. Und eben auch: Was will ich auf meiner Beerdigung hören? Zuweilen wird es holprig, dann brauchen die jüngeren Verwandten gute Nerven. Etwa, wenn per SMS Hilferufe wie dieser kommen: Alles verloren. Emil ist weg! Emil? Man ruft schnell an. Und? Ein Raunen geht durch die Leitung. Entwarnung! Oma hatte versehentlich nur eine E-Mail gelöscht.
Lange hatten sich auch etliche ihrer Nachbarn geweigert, Tablets und dergleichen überhaupt anzuschauen. Auch das ändert Corona. Die beste Freundin in der Wohnung nebenan besitzt jetzt auch ein Smartphone. Ein anderer Nachbar hat um Tipps gebeten, wie man über Internet telefoniert. Der Arzt hat ihr eine E-Mail geschickt. Die Hausleitung denkt drüber nach, Internetbereiche einzurichten. Dort im Seniorenheim. Für Leute mit gut 94!

Bleibt also die abschließende Frage: Kann man sich vielleicht dort schon heute in eine mögliche Warteliste eintragen lassen?
Erste vorsichtige Signale, wie es vielleicht bald schon auch bei uns mit Gottesdiensten wieder weitergehen kann, sind ja bereits vernehmbar. Über konkrete Planungen für die kommenden Wochen werden wir Sie natürlich zeitnah informieren, sobald hier noch etwas mehr Klarheit herrscht.

Herzlich grüßen Sie
Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Spielen kann man mit so einem Tablet-Computer übrigens auch …

„Lass Dir erzählen, Gott …“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

„Wachet und betet“ – diese beiden auffordernden Worte entstammen dem Evangelium (Matthäus 26:41), finden sich in einem Lied aus Taizé wieder und klingen vom Osterfest her noch nach. Vielleicht ist es ja im Augenblick tatsächlich das, was gerade dran ist: „Wachen und beten“. So vielleicht:

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen. Wo alles so anders ist. So durcheinander.
Wie draußen die Sonne lacht und wir die Freude vergessen.
Die Natur neues Leben hervorbringt und wir in Sorge sind.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen, die wir nicht besuchen dürfen.
Den Kranken, die allein auf ihren Krankenzimmern liegen.
Allen, die aus Angst weiter lieber in ihren Wohnungen bleiben
und dort die Einsamkeit fürchten.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.

Gott, gieße sanft deinen Trost über uns aus. Der uns umhüllt.
Und Segen dazu. Der uns immun macht gegen die Panik.
Sag‘ zu unserem ängstlichen Herzen: „Beruhig‘ dich!“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ICH eben auch!“

Amen.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Gottesdienst an Quasimodogeniti

#WirFeiernGottedienstZuhause

Sehen Sie sich die Predigt für 19.04.2020 von Pfarrer Gerd Schamberger auf Youtube an!

„Seid mit Abstand die Besten“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,
diesmal aber besonders liebe Omis und Opas,

wir erleben eine Pandemie – viele haben sich weitgehend im „Homeoffice“ eingerichtet, Kitas sind noch immer zu – und ältere Menschen sollen ihre sozialen Kontakte einschränken und sich gar von der Familie fernhalten. Zu ihrem eigenen Schutz, wie Experten sagen. Solch eine Situation mag stark verunsichern. Der Konflikt: Sie alle bieten Ihre Hilfe an, aber anders als sonst ist diese gerade gar nicht erwünscht. Verständlich, dass viele Großeltern die aktuellen Ansagen nur schwer akzeptieren wollen.

Doch ungewöhnliche Umstände verlangen nach ungewöhnliche Maßnahmen. Bitte informieren Sie sich und versuchen zu verstehen, warum es derzeit weiter dringend angesagt ist, Abstand zu halten: Im Falle einer Infektion mit dem Virus steigen die Gefahren mit dem Alter stark an, sagen die Fachleute.

Natürlich können auch die sich nicht zu 100 Prozent sicher sein, was richtig ist im Kampf gegen COVID-19. Aber nach jetzigem Stand ist es tatsächlich noch immer das Beste, was wir tun können, nämlich ältere, geschwächte und kranke Menschen zu schützen, und zwar am wirksamsten durch räumliche Distanz – ganz im Sinne des Doppelgebots der Liebe: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Es geht wahrlich nicht drum, irgendwelche Horrorszenarien aufzubauen. Wir müssen nicht zwangsläufig von monatelanger Kontaktsperre ausgehen. Erste behutsame Lockerungen für Geschäfte und Läden stehen ja bereits bevor und trotzdem gilt auch weiterhin höchste Vorsicht. Jede und jeder Einzelne ist also weiter gefragt. Doch mit Ostern nun haben wir alle ja eine ziemlich hohe Hürde bereits gemeinsam geschafft!

Machen Sie sich klar: Niemand aus der Familie will den Kontakt ab-, lediglich vorübergehend unterbrechen. Gott sei Dank nun verlangt uns das Virus keine komplette Funkstille ab – Sie schreiben sich Briefe, schicken SMS, telefonieren oder skypen – viele haben dies zu Ostern längst dankbar genutzt. Alles Wege, sich zu sprechen, zu sehen und zu signalisieren: „Du bist mir wichtig – Ich hab‘ dich lieb.“ Trau’n Sie sich das auch weiterhin und Sie glauben gar nicht, was Sie dabei alles noch lernen können. Ihre Enkel werden bald schon wegen Ihrer digitalen Kompetenz staunend den Hut ziehen … [sofern diese einen haben] 😉

Humor bewahren …

Seien Sie bitte auch weiterhin einsichtig, halten Abstand, damit dann umso schneller auch noch mehr Gewohntes wieder möglich wird – geben Sie bitte auf sich Acht!

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

„Ostern im Rücken“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

in der Rückschau auf die vergangenen Tage merke ich zunehmend mehr: War schon ein deutlich anderes Osterfest als die Jahre vorher. Stiller, nachdenklicher, digitaler zumindest. Trotz warmer, sonniger Frühlingstage galt: Das öffentliche Leben stand weitgehend still, man konnte sich nicht frei bewegen. Und dennoch war Ostern! Auch jede Menge an Freude war – in allem Leide.  

Die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus bleibt weiterhin hoch. Und das Leid rückt näher als sonst. In vielen Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die Lage weiter sichtlich angespannt. Menschen sterben. Gerade auch unser Georg-Nestler-Seniorenheim hier in Pappenheim muss dies gerade schmerzlich erfahren. Angehörige trauern um liebe Menschen, ohne in vertrauter Weise von ihnen Abschied nehmen zu können. Das freilich belastet sehr.

Was kann jetzt Halt geben, Hoffnung sein? Ich versuche, heute von Ostern her zu denken und zu glauben. Das freilich ist und bleibt ein Wagnis. Denn der Ausgang liegt in Gottes Hand. Doch ich vertraue darauf, dass Gott auch in schweren Zeiten Wege weiß, die mir und anderen heute noch verborgen scheinen. Und dass ich und andere sie unter seinem spürbaren Trost nach und nach finden und miteinander gehen können.

So hoffen und glauben wir mit Ostern im Rücken, dass alle diejenigen, denen das Virus in den vergangenen Tagen überall auf der Welt Sterben und Tod gebracht hat, nun in den ausgebreiteten Armen unseres menschenfreundlichen Gottes ihr neues Zuhause finden mögen. Ob nun hier unmittelbar vor Ort im Georg-Nestler-Haus in Pappenheim, im nahen Landkreis, ob bayern- oder deutschlandweit, bei unseren europäischen Nachbarn oder eben der gesamten Welt.

Das jüngst entzündete Osterlicht erstrahlt nun wieder an allen Orten unseres Erdballs und erzählt vom Aufbruch zu neuem Leben. Symbolisch brennen also in diesen nachösterlichen Tagen zahllose Osterkerzen in unseren Kapellen und Kirchen, um es tief in unsere Herzen zu schreiben:

„Der Tod – er gilt nicht mehr – für Gott und seine Menschenkinder!“

Brennende Kerzen in der Pappenheimer Stadtkirche künden von jener tröstlichen Nachricht in diesen Tagen in besonderer Weise auch für Verstorbene und infizierte Bewohner unseres Georg-Nestler-Seniorenheims draußen in der Beckstraße.

Verbunden im stillen Gebet sowie dem festen Glauben, dass Gott uns auch in den Tiefen des Lebens begleitet und er schon am Morgen uns alle wieder heraufführt hinein in den wundersamen Glanz seiner verheißenen Ewigkeit,  

Ihre beiden Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger