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Mahnendes Erinnern

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

Foto von Thomas Ledl – https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42913763

der Volkstrauertag wird in Deutschland seit 1952 immer am zweiten Sonn-tag vor dem 1. Advent begangen. Und auch 75 Jahre nach Ende des Zwei-ten Weltkriegs fließen noch immer Tränen, wenn an jenem stillen Tag an das bis heute viele Seelen belastende Leid erinnert wird.

Ein solches stille Gedenken gilt Menschen, die im dunkelsten Kapitel deut-scher Geschichte ihr Leben verloren haben – Menschen mit Behinderungen, Juden, in Konzentrations- und Vernichtungslagern Getöteten, aber auch den vielen unschuldigen Opfern aus der Mitte des deutschen Volkes.

Die Gräuel des Zweiten Weltkriegs können nicht ungeschehen gemacht werden, doch sind wir es den Opfern schuldig, die Schrecken des Krieges im Gedächtnis zu bewahren. Insofern ist dieser Feiertag stets mehr als Ritu-al, Tradition oder Alibiveranstaltung.

Zugegeben: Der Volkstrauertag ist ein schwieriger Feiertag, weil er den Finger in alte Wunden legt. Er ist damit der Stachel im Fleisch unserer Ver-gesslichkeit. Mag in Anlehnung an Erich Kästner heißen: ‚Die Vergangenheit muss reden, weil sie und die Menschen sonst keine Ruhe finden können‘. Zugleich aber transportiert jener vorletzte Sonntag im KJ die zentrale Botschaft, für Frieden und Menschenrechte einzutreten.

Längst will man mit einem solchen Gedenken allen Opfern von Krieg und Gewalt Gesicht und Stimme geben. Auch den aktuellen. Denen in Berlin und Halle. In Paris. Nizza. Und, und, und. Die grenzenlose Anmaßung ver-schiedener Terrorgruppen trifft hierbei ins Mark, nach Gutdünken über Le-ben und Tod entscheiden zu können. Auch toben auf unserer Erde noch immer viele Kriege, und selbst im 21. Jahrhundert werden weltweit Millio-nen von Menschen als Sklaven gehalten. Und: Wir alle freilich können das wissen!

Dürfen daher nicht zu untätigen Beobachtern werden, egal welchen Terrors. Hörbar wollen wir uns stattdessen gemeinsam gegen all die Stimmen stel-len, die Ängste, Vorurteile, Hass und Furcht verbreiten mit dem klaren Ziel, andere Menschen zu unterdrücken, ihnen im Namen von Nation, Volk, Ras-se, Religion oder Ideologie den eigenen Willen aufzuzwingen.

Demokratische Strukturen und vor allem der Kompromiss sind dabei kein Ausdruck von Schwäche, sondern vielmehr eine Grundhaltung, wesentlich geprägt von christlichen Werten wie Rücksichtnahme, Nächstenliebe, Aner-kennung und Respekt vor Gott und den Menschen.

Doch dass solch achtsames wie gleichermaßen friedvolles Miteinander un-ter uns Raum greifen kann, liegt eben nicht allein nur in unserer Hand. Als glaubende Christenmenschen nämlich wissen wir aus unserer Bibel dort im Epheserbrief (Eph 2, 14): „Christus ist unser Friede!“

Darauf also mögen wir vertrauen und immer wieder neu dafür beten. In diesen Tagen können wir genau dies im Rahmen der 40. Friedensdekade konfessionsverbindend immer wieder regelmäßig tun.

Ihnen allen jetzt noch ein paar ruhige und stillere letzte Tage im nun langsam zu Ende gehenden Kirchenjahr,
Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Adventsfenster – in anderem Format

Die Pappenheimer Adventsfenster 2020 werden dieses Jahr in einem anderen Format sein.

Der „Lebendige Adventskalender”, wie ihn im vergangenen Jahr der Theaterverein Pappenheim engagiert organisiert und durchgeführt hat, kann leider in diesem Jahr nicht im gewohnten Rahmen stattfinden.
Dennoch möchte die Evangelische Kirchengemeinde alle Pappenheimer herzlich einladen, auch in diesem Jahr den Advent besinnlich zu erleben.
Wir stellen uns vor, jeden Abend im Advent könnte eine andere Familie, ein Haushalt, ein Geschäft, ein Verein oder ein Kindergarten ein (Advents-)Fenster (eine Tür etc.) gestalten und dann am jeweiligen Tag z. B. durch Beleuchtung in der abendlichen Dämmerung, Aufklappen des Fensterladens, Hochziehen der Jalousie usw. ,,öffnen” .
Haben wir Ihr Interesse geweckt, sich mit einem „Fenster” zu beteiligen?
Dann lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf! Einzige „Vorgabe”: Das Fenster wird zu einem adventlichen Gedanken geschmückt und vorher mit der Zahl des Kalendertags deutlich sichtbar gekennzeichnet. Am entsprechenden
Tag wird es dann abends beleuchtet.
Vielleicht ist es Ihnen möglich, eine passende Geschichte, ein Gedicht, ein Bild oder ein Gebet ins Fenster zu hängen? (Ganz modern: Vielleicht einen QR-Code dazufügen, der auf ein Adventslied verweist?) Es soll in erster Linie Freude machen, etwas vorzubereiten und das muss nicht aufwändig sein.
Suchen Sie sich einen Termin zwischen dem 1. und dem 23. Dezember aus. Am besten nennen Sie auch einen Ersatztermin. Am 24.12.2020 öffnen die Kirchen ihre „Advents-Türen” zu den Gottesdiensten.
Groß und Klein sind im Dezember dann eingeladen, die Pappenheimer Adventsfenster zu erkunden. Ein täglicher Begleiter dabei könnte eine Laterne sein, deren Licht den Weg erleuchtet oder Ihnen hilft, einen Text im Fenster zu lesen …
Auf ein geselliges Treffen dazu, mit heißen Getränken und frohem Beisammensein, müssen wir dieses Jahr leider verzichten.
Wir kümmern uns um die Zusammenstellung der Termine und um die Bekanntgabe der Fenster. Auch bei Fragen können Sie sich gerne an uns wenden.
Wolfgang Popp und Petra Münch-Popp
Graf-Carl-Str. 1, 91788 Pappenheim, Tel. 09143-830333

Erst die Mühe, dann der Genuss

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

schon ist wieder Oktober – die Zeit, sie vergeht wie im Flug. Vor Tagen noch haben wir den ersten Teil unserer Konfirmationen gefeiert – jetzt steht Erntedank vor der Tür. Dazu sind wir auf folgenden nachdenklichen Text gestoßen:

Der Weizen kam zu Gott und sagte: „Herr der Welt. Wenn du mich für die Menschen gemacht hast, warum hast du mich dann nicht so gemacht, dass sie mich einfach so essen können, wie ich bin? So müssen sie mich erst dreschen, mahlen, das Mehl zu Teig verarbeiten und anschließen noch backen. Findest du nicht, dass dies sehr umständlich ist?“ Gott antwortete: „Es ist für dich und für die Menschen gut, dass ich euch so gemacht habe, wie ihr seid. Sprechen wir zuerst von dir. Du kannst so nicht prahlen: Ich allein halte die Menschen am Leben und gebe ihnen Kraft. Die Menschen können kein Stück Brotessen, wenn sie es nicht vorher zubereiten, und dazu brauchen sie Wasser, Feuer und ihre eigenen Hände. Es kommt also nicht nur allein auf dich an, und du kannst nicht hingehen und stolz verkünden: Ohne mich geht überhaupt nichts! Jetzt zu den Menschen. Es wäre nicht gut für sie, wenn sie am Morgen aufstünden und das Essen fix und fertig vorfänden. Stattdessen müssen sie zuerst arbeiten: Säen, pflanzen, ernten, dreschen, mahlen, Teig machen und backen. Erst dann können sie Brot essen, wie geschrieben steht: Damit er Brot gewinnt von der Erde, welches das Herz des Menschen erfreut (Psalm 104, 15).

So wünschen wir nun allen ein frohes und segensreiches Erntedankfest mit vielen dankbaren Gottesdiensten

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Achtsamer Aufbruch

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

jetzt im September gehen viele nach den Ferien oder dem Urlaub wieder mit neuem Schwung an den Start. Für viele ist der September aber auch ein Neuanfang. Die Erstklässler werden gerade eingeschult, das neue Schuljahr beginnt. Manch einer startet mit einer Lehrstelle ins Berufsleben. Andere wiederum haben die Ferien zu einem Umzug genutzt und beginnen nun eine neue Arbeitsstelle. Und in einzelnen unserer Gemeinden wagt man sich nach der Sommerpause nun endlich auch an die nachzuholenden Konfirmationen.

So machen sich gerade jetzt viele frisch ans Werk. Solch eine Zeit ist voller Erwartungen, Hoffnungen, aber auch Ängsten. Doch kann die Freude des Neubeginns schnell in Ernüchterung und Frust umschlagen, wenn der Erfolg scheinbar zunächst ausbleibt. Wer eine Lehrstelle beginnt, ist noch lange kein Meister und wer anfängt, ein Instrument zu lernen, spielt nicht gleich Bach oder Mozart, sondern muss sich mit Tonleitern begnügen. Die meisten Dinge im Leben erfordern viel Geduld und einen langen Atem.

Besonders frustrierend kann es da sein, wenn ich mich dabei allein gelassen fühle. Niemand interessiert sich für mich. Kaum einer hat ein offenes Ohr für meine Anliegen. Dann kann es schnell passieren, dass man bald schon wieder alles aufgibt, was man doch so gern hätte anpacken wollen. Helfen mag dann ein Bibelvers, der auch sonst immer mal gerne zitiert wird (Mt 18, 20):

„Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Matthäus 18,20

Eine solche Zusage freilich macht Mut. Gerade in Zeiten von Corona! Auch wenn Gottesdienste, Gruppen und Kreise in unseren Gemeinden nach zurückliegenden außergewöhnlichen Monaten nun erst wieder sehr behutsam und vorsichtig beginnen, ein Anfang jedenfalls ist gemacht. Auch wenn dabei erstmal nur wenige zusammenkommen – auf Abstand eben und mit der berechtigten Sorge um sich und die anderen – Gott ist auch hier stets mit dabei.

Natürlich fühlt es sich um einiges besser an, wenn 30 oder 50 Leute kommen, statt drei, und es ist bestimmt auch schöner, wenn wir dabei nicht ständig Sorge haben müssen, uns gegenseitig zu nahe zu kommen. Doch die Situation ist nun mal so wie sie sich gerade bei uns und weltweit zeigt. Das Virus – es ist eben noch immer da und lässt sich demnach weder wegprotestieren noch steht bislang irgendwo ein wirksamer Zaubertrank im Laborschrank.

Und trotzdem wollen wir nun gemeinsam und voller Zuversicht den bevorstehenden Herbst willkommen heißen und mit hinreichend Geduld, langem Atem und jeder Menge an Gottvertrauen all die Dinge angehen, die jetzt auf uns zukommen werden. Corona wird uns dabei auch noch weiterhin spürbar begleiten – und doch uns nicht vollständig lähmen und niederringen.

Dies unser beider ermutigende Gruß für diese spätsommerlichen Septembertage 2020,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Eine Typenfrage?!

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

man kann in diesen doch sehr besonderen Zeiten ganz unterschiedliche Corona-Typen beobachten. Da gibt es nun mal…

Den Hysteriker
„Die da oben sagen uns längst nicht alles! Es ist sogar noch um einiges schlimmer, als viele denken und annehmen!“

Den Naiven
„Ach, das alles ist doch nur reine Panikmache, um die Leute einzuschüchtern.“

Den Gebildeten
„Die Lage ist sehr wohl ernst und gefährlich; aber vor allem heißt es: DAS Virus!“

Den Wissensdurstigen
„Will möglichst alles lesen, ansehen und glauben, was die Medien täglich dazu hergeben.“

Den Humorvollen
„Gestern kamen zwei Leute mit Mundschutz in die Bank. Gott sei Dank war‘s am Ende nur ein Überfall, und alle haben sich schnell wieder beruhigt.“

Den Griesgrämigen
„Versteht nicht wirklich, wie man schmunzeln kann, wenn Menschen dabei sterben.“

und schließlich auch noch

Den Rücksichtslosen
„Fühlt sich seiner Freiheitsrechte beraubt – Hygieneregeln wie Maske und Abstandhalten interessieren darum nicht!“

Gott hat uns Menschen alle unterschiedlich geschaffen. Es gibt aktuell rund  7,8 Milliarden Menschen auf unserer Erde, und jede und jeder unter uns ist einzigartig.

Doch obwohl Gott uns alle verschieden gemacht hat, ist es sein sehnlichster Wunsch, dass wir gerade in Krisenzeiten unseres Planeten zusammenhalten, uns gegenseitig helfen und nach Kräften unterstützen!

Im 1. Petrusbrief heißt es dazu in Kapitel 3, Vers 8 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“:

„Haltet einmütig zusammen!
Nehmt Anteil am Leben des anderen
und liebt einander als Geschwister!
Geht barmherzig miteinander um
und seid nicht überheblich.“

Alle gemeinsam sollten wir es wenigstens immer wieder versuchen, damit am Ende eben niemand leichtfertig auf der Strecke bleibt…

In solchem Sinne eine weiterhin erholsame und zugleich achtsame Ferienzeit,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Rückblickend betrachtet

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

in den 50er Jahren des 21. Jahrhunderts erzählen Großeltern ihren Enkeln möglicherweise mal folgende atemberaubende Geschichte:

„Es war im April 2020. Die Straßen deutlich leerer als sonst, die meisten Geschäfte geschlossen, Leute hatten plötzlich Zeit. Die Natur atmete auf. Die Blumen blühten, die Sonne schien – der Himmel so blau wie schon lange nicht mehr. Die Wahrnehmung nahm zu, das Sehen und Hören wurde mehr.

Es war im April 2020. Und am Nachmittag spielte man im Haus und im Garten. Es war das Jahr, in dem man nur zum Einkaufen raus gehen durfte.

Fast alles geschlossen. Auch Büros, Hotels und Bars. Ausgänge und Grenzen wurden bewacht. Das Jahr, in dem man entdeckte, dass es auch kleinere Geschäfte gibt. Die eigene Welt war auf das Wesentliche reduziert.

Es gab nicht genügend Platz mehr für alle in den Krankenhäusern. Und die Leute wurden krank. Und manche von Ihnen starben. Die Natur holte sich das Ihre zurück und die Luft wurde klarer. Die großen Schiffe lagen im Hafen, die Flugzeuge brauchte keiner mehr. Alte und Junge, der Gesundheit wegen ans Haus gebunden. Es war nicht möglich, in die Zukunft zu denken.

Doch der Natur war es egal, die Blumen blühten weiter. Es wurde wieder Freude daran entdeckt, gemeinsam zu essen, zu schreiben und zu reden. Man ließ der Fantasie freien Lauf und aus Langeweile wurde Kreativität. Doch auch manche Einsamkeit brach sich Bahn.

Etliche lernten eine neue Sprache. Manche entdeckten die Kunst. Andere, dass sie gern was abgeben von ihrer Kraft und sich dankbar zeigten. Es war das Jahr, in dem man die Augen zudrückte und Fünfe gerade sein ließ. Wichtiges von Unwichtigem unterschied. Und sich vor allem Zeit nahm.

Der Eine merkte, dass er längst schon getrennt war vom Leben und fand zu sich zurück. Der Andere hörte auf, arrogant zu handeln. Neid verblasste allmählich, denn in diesem Jahr waren alle gleich. Die Konkurrenz und die Macht legten sich, denn man begegnete sich nicht mehr direkt.

Es war das Jahr, in dem man die Bedeutung der Gesundheit und des wahren Leidens erkannte und vielleicht auch seine eigene Berufung. Seinen Auftrag, um dem Sinn und der Erfüllung im Leben nach und nach ein Stück näher zu kommen. Das Jahr, in dem die Welt am Ende zu sein schien. Und die Wirtschaft den Bach runterging.

Einige gingen auf die Straße, machten ihrem Ärger Luft, fühlten sich bevormundet, ihrer Freiheit beraubt. Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen wurden ignoriert. Doch solcher Leichtsinn rächte sich und auf einmal gingen die Zahlen wieder deutlich nach oben.

Und trotzdem: Die Welt hörte nicht auf, sie erfand sich neu. Und ein Gefühl von Sinn lag über allem. Und die Natur bekam ihre Seele zurück, Strände und Wälder menschenleer – und ein Zaunkönig sprang von einem Ast zum anderen. Und dann – nach einem ganzen langen Coronajahr kam er also doch noch – jener so sehr herbeigesehnte Tag, an dem allen gesagt wurde, dass es vorbei sei und das Virus verloren habe.

Und die Menschen gingen erneut auf die Straße. Wieder ohne Masken und Abstand. Doch diesmal mit Tränen in den Augen. Umarmten den unbekannten Nachbarn als sei er unser Bruder, unsere Schwester. Man schrieb damals das Jahr 2021. Es kam der Sommer. Und es war so seltsam anders. Anders als alle Sommer zuvor. Und die Welt drehte sich und das Leben ging weiter. Trotz allem. Trotz des Virus. Trotz der Angst. Trotz des Todes.

Die Schöpfung Gottes lehrte allen die Kraft des Lebens. Den Geist. Den ewigen Atem. Und den Hauch, der in uns steckt. Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Die Enkelin hatte aufmerksam zugehört. Ist bis zum Schluss sitzen geblieben. Erstaunlich für dieses Alter. Und fragte dann Oma und Opa: „Kann sowas heute nochmal passieren?“ – Die Großeltern erwiderten: „Wir hoffen nicht – doch wer von uns weiß das schon…“

Ein klein wenig nachdenklich grüßen Sie alle inmitten der Ferienzeit verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, gerade in diesen Wochen nicht leichtsinnig zu werden,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

7. Sonntag nach Trinitatis

„Sommer-Video-Gottesdienste“ aus dem Dekanat Pappenheim
Am 26.07.2020 mit Pfarrer Gerd Schamberger aus der Weidenkirche

Hoffnungsflug 2.0

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir möchten Sie vom Pfarrbüro unserer Pappenheimer Kirchengemeinden aus kurz vor Beginn der diesjährigen Sommerferien nochmal geschwind besuchen kommen und Sie an ein paar meditativen Gedanken teilhaben lassen, die uns rundum zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen …

eine unsichtbare sintflut
brach über uns herein
riss fühlbar
unseren alltag mit sich

und das rettungsboot
so arche-untypisch
bedeutet noch immer Abstand
heißt achtsam sein
verlangt mitgefühl
und zusammenhalt

doch völlig egal
was noch kommt
in diesem Sommer
oder auch erst im Herbst
die olivenzweigtaube –
sie ist schon unterwegs

So bleiben Sie nun alle miteinander in diesen Sommerwochen an Leib und Seele behütet – Gott befohlen!

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Hoffnungslos zuversichtlich

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

bereits vier Monate lang ist es das große Thema, das nicht nur die Medien, sondern auch das gesamte öffentliche Leben und das jeder und jedes Einzelnen bis ins Privatleben hinein bestimmt – uns hier in den Pfarrbüros und Sie daheim in den Familien samt Ihrem Bekannten- und Freundeskreis.

Das Corona-Virus – mit gerade mal 130 Nanometern mikroskopisch unscheinbar, und doch mit verheerenden Folgen – lehrt es uns doch, dass Gesundheit und Wohlstand alles andere als selbstverständlich sind und eben vieles nicht ständig und zu jeder Zeit verfügbar und machbar ist. Es geht nun mal nicht immer weiter bergauf, mit unserer Wirtschaft, was mancher mit etwas gesundem Menschenverstand freilich längst geahnt hatte. Doch das Laufrad stand plötzlich still – ohne Rücksicht auf Verluste und mit allen Konsequenzen, die in ihrer Gänze und Tragweite noch immer nur vage abzuschätzen sind.

Wir alle haben es mehr oder weniger hautnah erlebt und erleben es noch: Leben und Sterben auf Abstand, große Menschenansammlungen noch immer ein ziemliches No-Go, Maskenpflicht auch weiterhin beim täglichen Einkauf, bei raumgreifenden Gotteshäusern mit einst 600 Sitzplätzen fällt da hinten ganz schnell mal eine 0 weg, kanisterweise Desinfektionsmittel in den Geschäften und Büros, ein oftmals nur noch müdes Lächeln ersetzt längst die innige Umarmung und der ohnehin schon verhaltene Torjubel verliert sich vollends im scheinbar endlos weiten Rund gähnend leerer Stadionränge.

Auch unsere Arbeit in den Gemeinden war in diesen Zeiten plötzlich nicht mehr so wie zuvor: Hatten nicht mehr so viel direkten Kontakt zu den Menschen, dafür umso mehr Gespräche am Telefon. Diese Gespräche waren besonders, erfordern sie doch ein hohes Maß an Konzentration auf beiden Seiten, großes Vertrauen von Menschen, die vielleicht ja gern mal reden möchten und sich nun einem nicht sichtbaren Menschen öffnen sollten. Doch manchmal entstanden gerade in dieser besonderen Form – völlig frei von äußerlichen Eindrücken und mit der Option, jederzeit auflegen zu können – ganz neue Perspektiven und heilsame Eindrücke.

Wir versuchten in Telefonaten auch die tragischen Erlebnisse von Angehörigen aufzufangen. Uns wurde beispielsweise berichtet, wie schlimm es wäre, wenn Menschen ihre sterbenskranken Angehörigen im Krankenhaus nicht besuchen dürften oder es nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen möglich wäre, Abschied zu nehmen. Leben auf Abstand machte sterbende, pflegende und trauernde Menschen eben nochmal einsamer. Dies ist jetzt – Gott sei Dank – seit kurzem wieder deutlich leichter und menschlicher geworden.

Besonders tragisch auch die Situation alter Menschen in den Heimen, die zum Teil gar keinen Kontakt mehr hatten – außer dem zum Pflegepersonal. Viele ehrenamtliche Helfer*innen linderten diese Not ein wenig, indem sie an Heimbewohner Karten schrieben und dazu einen kleinen Gruß gestalteten. Die Heime freuten sich über solche Unterstützung und Wertschätzung.

In einer solchen Zeit wird deutlich, dass unmittelbare körperliche Nähe noch immer für uns Menschen lebensnotwendig ist. Nichts ersetzt ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Es gibt sicherlich etliche praktikable Alternativen gerade auch digitaler Art – doch nichts auf der Welt schafft es sozusagen auf Augenhöhe mit einem persönlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Genau dies nun spürten wir in diesen Zeiten und wollen trotzdem – für sicher auch noch etwas längere Zeit – beim Begegnen anderer auch in Zukunft achtsam bleiben und in unserem Verhalten vorsichtig sein.

Wir hoffen für uns alle, dass es auch weiterhin gelingen möge, unter all den fühlbaren Erschwernissen dennoch stets „hoffnungslos zuversichtlich“ zu bleiben.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

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