GG

Achtsamer Aufbruch

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

jetzt im September gehen viele nach den Ferien oder dem Urlaub wieder mit neuem Schwung an den Start. Für viele ist der September aber auch ein Neuanfang. Die Erstklässler werden gerade eingeschult, das neue Schuljahr beginnt. Manch einer startet mit einer Lehrstelle ins Berufsleben. Andere wiederum haben die Ferien zu einem Umzug genutzt und beginnen nun eine neue Arbeitsstelle. Und in einzelnen unserer Gemeinden wagt man sich nach der Sommerpause nun endlich auch an die nachzuholenden Konfirmationen.

So machen sich gerade jetzt viele frisch ans Werk. Solch eine Zeit ist voller Erwartungen, Hoffnungen, aber auch Ängsten. Doch kann die Freude des Neubeginns schnell in Ernüchterung und Frust umschlagen, wenn der Erfolg scheinbar zunächst ausbleibt. Wer eine Lehrstelle beginnt, ist noch lange kein Meister und wer anfängt, ein Instrument zu lernen, spielt nicht gleich Bach oder Mozart, sondern muss sich mit Tonleitern begnügen. Die meisten Dinge im Leben erfordern viel Geduld und einen langen Atem.

Besonders frustrierend kann es da sein, wenn ich mich dabei allein gelassen fühle. Niemand interessiert sich für mich. Kaum einer hat ein offenes Ohr für meine Anliegen. Dann kann es schnell passieren, dass man bald schon wieder alles aufgibt, was man doch so gern hätte anpacken wollen. Helfen mag dann ein Bibelvers, der auch sonst immer mal gerne zitiert wird (Mt 18, 20):

„Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Matthäus 18,20

Eine solche Zusage freilich macht Mut. Gerade in Zeiten von Corona! Auch wenn Gottesdienste, Gruppen und Kreise in unseren Gemeinden nach zurückliegenden außergewöhnlichen Monaten nun erst wieder sehr behutsam und vorsichtig beginnen, ein Anfang jedenfalls ist gemacht. Auch wenn dabei erstmal nur wenige zusammenkommen – auf Abstand eben und mit der berechtigten Sorge um sich und die anderen – Gott ist auch hier stets mit dabei.

Natürlich fühlt es sich um einiges besser an, wenn 30 oder 50 Leute kommen, statt drei, und es ist bestimmt auch schöner, wenn wir dabei nicht ständig Sorge haben müssen, uns gegenseitig zu nahe zu kommen. Doch die Situation ist nun mal so wie sie sich gerade bei uns und weltweit zeigt. Das Virus – es ist eben noch immer da und lässt sich demnach weder wegprotestieren noch steht bislang irgendwo ein wirksamer Zaubertrank im Laborschrank.

Und trotzdem wollen wir nun gemeinsam und voller Zuversicht den bevorstehenden Herbst willkommen heißen und mit hinreichend Geduld, langem Atem und jeder Menge an Gottvertrauen all die Dinge angehen, die jetzt auf uns zukommen werden. Corona wird uns dabei auch noch weiterhin spürbar begleiten – und doch uns nicht vollständig lähmen und niederringen.

Dies unser beider ermutigende Gruß für diese spätsommerlichen Septembertage 2020,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Eine Typenfrage?!

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

man kann in diesen doch sehr besonderen Zeiten ganz unterschiedliche Corona-Typen beobachten. Da gibt es nun mal…

Den Hysteriker
„Die da oben sagen uns längst nicht alles! Es ist sogar noch um einiges schlimmer, als viele denken und annehmen!“

Den Naiven
„Ach, das alles ist doch nur reine Panikmache, um die Leute einzuschüchtern.“

Den Gebildeten
„Die Lage ist sehr wohl ernst und gefährlich; aber vor allem heißt es: DAS Virus!“

Den Wissensdurstigen
„Will möglichst alles lesen, ansehen und glauben, was die Medien täglich dazu hergeben.“

Den Humorvollen
„Gestern kamen zwei Leute mit Mundschutz in die Bank. Gott sei Dank war‘s am Ende nur ein Überfall, und alle haben sich schnell wieder beruhigt.“

Den Griesgrämigen
„Versteht nicht wirklich, wie man schmunzeln kann, wenn Menschen dabei sterben.“

und schließlich auch noch

Den Rücksichtslosen
„Fühlt sich seiner Freiheitsrechte beraubt – Hygieneregeln wie Maske und Abstandhalten interessieren darum nicht!“

Gott hat uns Menschen alle unterschiedlich geschaffen. Es gibt aktuell rund  7,8 Milliarden Menschen auf unserer Erde, und jede und jeder unter uns ist einzigartig.

Doch obwohl Gott uns alle verschieden gemacht hat, ist es sein sehnlichster Wunsch, dass wir gerade in Krisenzeiten unseres Planeten zusammenhalten, uns gegenseitig helfen und nach Kräften unterstützen!

Im 1. Petrusbrief heißt es dazu in Kapitel 3, Vers 8 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“:

„Haltet einmütig zusammen!
Nehmt Anteil am Leben des anderen
und liebt einander als Geschwister!
Geht barmherzig miteinander um
und seid nicht überheblich.“

Alle gemeinsam sollten wir es wenigstens immer wieder versuchen, damit am Ende eben niemand leichtfertig auf der Strecke bleibt…

In solchem Sinne eine weiterhin erholsame und zugleich achtsame Ferienzeit,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Rückblickend betrachtet

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

in den 50er Jahren des 21. Jahrhunderts erzählen Großeltern ihren Enkeln möglicherweise mal folgende atemberaubende Geschichte:

„Es war im April 2020. Die Straßen deutlich leerer als sonst, die meisten Geschäfte geschlossen, Leute hatten plötzlich Zeit. Die Natur atmete auf. Die Blumen blühten, die Sonne schien – der Himmel so blau wie schon lange nicht mehr. Die Wahrnehmung nahm zu, das Sehen und Hören wurde mehr.

Es war im April 2020. Und am Nachmittag spielte man im Haus und im Garten. Es war das Jahr, in dem man nur zum Einkaufen raus gehen durfte.

Fast alles geschlossen. Auch Büros, Hotels und Bars. Ausgänge und Grenzen wurden bewacht. Das Jahr, in dem man entdeckte, dass es auch kleinere Geschäfte gibt. Die eigene Welt war auf das Wesentliche reduziert.

Es gab nicht genügend Platz mehr für alle in den Krankenhäusern. Und die Leute wurden krank. Und manche von Ihnen starben. Die Natur holte sich das Ihre zurück und die Luft wurde klarer. Die großen Schiffe lagen im Hafen, die Flugzeuge brauchte keiner mehr. Alte und Junge, der Gesundheit wegen ans Haus gebunden. Es war nicht möglich, in die Zukunft zu denken.

Doch der Natur war es egal, die Blumen blühten weiter. Es wurde wieder Freude daran entdeckt, gemeinsam zu essen, zu schreiben und zu reden. Man ließ der Fantasie freien Lauf und aus Langeweile wurde Kreativität. Doch auch manche Einsamkeit brach sich Bahn.

Etliche lernten eine neue Sprache. Manche entdeckten die Kunst. Andere, dass sie gern was abgeben von ihrer Kraft und sich dankbar zeigten. Es war das Jahr, in dem man die Augen zudrückte und Fünfe gerade sein ließ. Wichtiges von Unwichtigem unterschied. Und sich vor allem Zeit nahm.

Der Eine merkte, dass er längst schon getrennt war vom Leben und fand zu sich zurück. Der Andere hörte auf, arrogant zu handeln. Neid verblasste allmählich, denn in diesem Jahr waren alle gleich. Die Konkurrenz und die Macht legten sich, denn man begegnete sich nicht mehr direkt.

Es war das Jahr, in dem man die Bedeutung der Gesundheit und des wahren Leidens erkannte und vielleicht auch seine eigene Berufung. Seinen Auftrag, um dem Sinn und der Erfüllung im Leben nach und nach ein Stück näher zu kommen. Das Jahr, in dem die Welt am Ende zu sein schien. Und die Wirtschaft den Bach runterging.

Einige gingen auf die Straße, machten ihrem Ärger Luft, fühlten sich bevormundet, ihrer Freiheit beraubt. Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen wurden ignoriert. Doch solcher Leichtsinn rächte sich und auf einmal gingen die Zahlen wieder deutlich nach oben.

Und trotzdem: Die Welt hörte nicht auf, sie erfand sich neu. Und ein Gefühl von Sinn lag über allem. Und die Natur bekam ihre Seele zurück, Strände und Wälder menschenleer – und ein Zaunkönig sprang von einem Ast zum anderen. Und dann – nach einem ganzen langen Coronajahr kam er also doch noch – jener so sehr herbeigesehnte Tag, an dem allen gesagt wurde, dass es vorbei sei und das Virus verloren habe.

Und die Menschen gingen erneut auf die Straße. Wieder ohne Masken und Abstand. Doch diesmal mit Tränen in den Augen. Umarmten den unbekannten Nachbarn als sei er unser Bruder, unsere Schwester. Man schrieb damals das Jahr 2021. Es kam der Sommer. Und es war so seltsam anders. Anders als alle Sommer zuvor. Und die Welt drehte sich und das Leben ging weiter. Trotz allem. Trotz des Virus. Trotz der Angst. Trotz des Todes.

Die Schöpfung Gottes lehrte allen die Kraft des Lebens. Den Geist. Den ewigen Atem. Und den Hauch, der in uns steckt. Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Die Enkelin hatte aufmerksam zugehört. Ist bis zum Schluss sitzen geblieben. Erstaunlich für dieses Alter. Und fragte dann Oma und Opa: „Kann sowas heute nochmal passieren?“ – Die Großeltern erwiderten: „Wir hoffen nicht – doch wer von uns weiß das schon…“

Ein klein wenig nachdenklich grüßen Sie alle inmitten der Ferienzeit verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, gerade in diesen Wochen nicht leichtsinnig zu werden,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

7. Sonntag nach Trinitatis

„Sommer-Video-Gottesdienste“ aus dem Dekanat Pappenheim
Am 26.07.2020 mit Pfarrer Gerd Schamberger aus der Weidenkirche

Hoffnungsflug 2.0

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir möchten Sie vom Pfarrbüro unserer Pappenheimer Kirchengemeinden aus kurz vor Beginn der diesjährigen Sommerferien nochmal geschwind besuchen kommen und Sie an ein paar meditativen Gedanken teilhaben lassen, die uns rundum zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen …

eine unsichtbare sintflut
brach über uns herein
riss fühlbar
unseren alltag mit sich

und das rettungsboot
so arche-untypisch
bedeutet noch immer Abstand
heißt achtsam sein
verlangt mitgefühl
und zusammenhalt

doch völlig egal
was noch kommt
in diesem Sommer
oder auch erst im Herbst
die olivenzweigtaube –
sie ist schon unterwegs

So bleiben Sie nun alle miteinander in diesen Sommerwochen an Leib und Seele behütet – Gott befohlen!

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Hoffnungslos zuversichtlich

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

bereits vier Monate lang ist es das große Thema, das nicht nur die Medien, sondern auch das gesamte öffentliche Leben und das jeder und jedes Einzelnen bis ins Privatleben hinein bestimmt – uns hier in den Pfarrbüros und Sie daheim in den Familien samt Ihrem Bekannten- und Freundeskreis.

Das Corona-Virus – mit gerade mal 130 Nanometern mikroskopisch unscheinbar, und doch mit verheerenden Folgen – lehrt es uns doch, dass Gesundheit und Wohlstand alles andere als selbstverständlich sind und eben vieles nicht ständig und zu jeder Zeit verfügbar und machbar ist. Es geht nun mal nicht immer weiter bergauf, mit unserer Wirtschaft, was mancher mit etwas gesundem Menschenverstand freilich längst geahnt hatte. Doch das Laufrad stand plötzlich still – ohne Rücksicht auf Verluste und mit allen Konsequenzen, die in ihrer Gänze und Tragweite noch immer nur vage abzuschätzen sind.

Wir alle haben es mehr oder weniger hautnah erlebt und erleben es noch: Leben und Sterben auf Abstand, große Menschenansammlungen noch immer ein ziemliches No-Go, Maskenpflicht auch weiterhin beim täglichen Einkauf, bei raumgreifenden Gotteshäusern mit einst 600 Sitzplätzen fällt da hinten ganz schnell mal eine 0 weg, kanisterweise Desinfektionsmittel in den Geschäften und Büros, ein oftmals nur noch müdes Lächeln ersetzt längst die innige Umarmung und der ohnehin schon verhaltene Torjubel verliert sich vollends im scheinbar endlos weiten Rund gähnend leerer Stadionränge.

Auch unsere Arbeit in den Gemeinden war in diesen Zeiten plötzlich nicht mehr so wie zuvor: Hatten nicht mehr so viel direkten Kontakt zu den Menschen, dafür umso mehr Gespräche am Telefon. Diese Gespräche waren besonders, erfordern sie doch ein hohes Maß an Konzentration auf beiden Seiten, großes Vertrauen von Menschen, die vielleicht ja gern mal reden möchten und sich nun einem nicht sichtbaren Menschen öffnen sollten. Doch manchmal entstanden gerade in dieser besonderen Form – völlig frei von äußerlichen Eindrücken und mit der Option, jederzeit auflegen zu können – ganz neue Perspektiven und heilsame Eindrücke.

Wir versuchten in Telefonaten auch die tragischen Erlebnisse von Angehörigen aufzufangen. Uns wurde beispielsweise berichtet, wie schlimm es wäre, wenn Menschen ihre sterbenskranken Angehörigen im Krankenhaus nicht besuchen dürften oder es nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen möglich wäre, Abschied zu nehmen. Leben auf Abstand machte sterbende, pflegende und trauernde Menschen eben nochmal einsamer. Dies ist jetzt – Gott sei Dank – seit kurzem wieder deutlich leichter und menschlicher geworden.

Besonders tragisch auch die Situation alter Menschen in den Heimen, die zum Teil gar keinen Kontakt mehr hatten – außer dem zum Pflegepersonal. Viele ehrenamtliche Helfer*innen linderten diese Not ein wenig, indem sie an Heimbewohner Karten schrieben und dazu einen kleinen Gruß gestalteten. Die Heime freuten sich über solche Unterstützung und Wertschätzung.

In einer solchen Zeit wird deutlich, dass unmittelbare körperliche Nähe noch immer für uns Menschen lebensnotwendig ist. Nichts ersetzt ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Es gibt sicherlich etliche praktikable Alternativen gerade auch digitaler Art – doch nichts auf der Welt schafft es sozusagen auf Augenhöhe mit einem persönlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Genau dies nun spürten wir in diesen Zeiten und wollen trotzdem – für sicher auch noch etwas längere Zeit – beim Begegnen anderer auch in Zukunft achtsam bleiben und in unserem Verhalten vorsichtig sein.

Wir hoffen für uns alle, dass es auch weiterhin gelingen möge, unter all den fühlbaren Erschwernissen dennoch stets „hoffnungslos zuversichtlich“ zu bleiben.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Harry Potter, das Biest und der Apostel Paulus

Liebe Leserin, lieber Leser,

kein leichter Stoff –  das Thema der nächsten Woche: „Gut und Böse“. 

Der Predigttext vom kommenden Sonntag nimmt Gedanken auf, die manche unter uns vielleicht sogar selbst einmal als Konfirmandenspruch erhalten oder als Taufspruch gewählt bekamen: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21)

Aber ist so ein Auftrag überhaupt zu erfüllen?

Lord Voldemort ist böse. Harry Potter und seine Freunde müssen gegen ihn kämpfen. Eben ein Kampf „Gut gegen Böse“. Und dabei könnten sie sich guten Muts an den oben zitierten Vers aus dem Brief des Apostels halten. Denn er ist ja wirklich ein toller Satz, gleichsam ein Motto fürs ganze Leben – zumindest auf den ersten Blick.

Was aber ist, wenn man nicht gleich durchschaut, was gut und was böse ist?

Oft kann man sich ja wirklich nicht sofort sicher sein. Ein Beispiel dazu fällt mir ein: Der Film „Die Schöne und das Biest“. Da verschlägt es die schöne Belle in ein verwunschenes Schloss, in dem das Biest haust. Das Biest ist ein von einer Zauberin verwunschener Prinz, der sich einst hartherzig benommen hat. Er findet nur Erlösung, wenn ihn innerhalb einer bestimmten Frist jemand trotz seines fiesen Benehmens und seiner Angst einflößenden Erscheinung liebt. Gar nicht so einfach, denn er kann ja nicht aus seiner Haut heraus. Aber zum Glück erkennt Belle in dem Biest den guten Kern. Die beiden verlieben sich. In letzter Minute wird der Bann gebrochen und das verwunschne Schloss und vor allem das Biest werden erlöst. Ein richtiges Happy End …

Aber so ist die Realität leider nicht. Nicht immer gewinnt am Ende das Gute. Noch einmal: Was ist überhaupt gut und was ist böse?

In den Harry-Potter-Büchern und Filmen wird genau diese Frage immer wieder aufgegriffen. Da ist z.B. die Gestalt von Professor Snape. Er tut vermeintlich Böses und ist gemein zu Harry Potter. Aber er gehört dennoch zu den Guten. So sehr das alles Fantasiegeschichten sind, so sind sie im Hinblick auf die Frage: „Was kann ich tun, um das Böse zu überwinden und nicht selbst vor dem Bösen zu kapitulieren?“, doch nahe der Wirklichkeit. Manchmal ist eine Sache klar. Manchmal kann eine Situation aber auch so vertrackt sein wie bei Harry Potter. Und man weiß nicht, wie man letztlich handeln soll.

Und manchmal ist es leider so, dass man es nicht vermeiden kann, bei all dem Schuld auf sich zu laden. Eben, weil man etwas Gutes tun und andere Menschen retten will.

Dietrich Bonhoeffer kommt mir in den Sinn. Er war von Beginn an gegen Adolf Hitler und die Nationalsozialisten. Er trat ein für die jüdische Bevölkerung und war an Plänen für ein Attentat auf Hitler beteiligt. Er war bereit zu lügen und letztlich sogar zu töten in diesem Kampf „Gut gegen Böse“. Dafür bezahlte er mit seinem Leben. Im vergangenen April vor 75 Jahren wurde er hingerichtet. Doch er ist in dem Vertrauen gestorben, dass Gott auf unserer Seite steht, wenn wir Gutes tun – Fehler, Schuld und Versagen eingeschlossen.

Gott ist bei uns und handelt durch uns, wenn wir versuchen, das Böse mit Gutem zu überwinden. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Ich meine, ein wirklich gutes Motto – fürs ganze Leben.

Mit herzlichem Gruß,
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

Von hinten her

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

Corona ist eine Chance!
Nein, die Wahrheit ist
dass Corona nur den Tod bringt
dass es uns zerstört
dass Corona uns alles nimmt
Ich glaube nicht
dass Corona unsere Rettung ist
dass es uns erweckt
uns entschleunigt
dass Corona durch Distanz zeigt, wie wertvoll Nähe ist
Es ist doch so
dass Corona uns voneinander entfernt
uns in den sozialen Abgrund stürzt
uns vernichtet
dass Corona uns einsam macht
 Ich weigere mich zu akzeptieren
dass Corona uns zeigt, worauf es im Leben ankommt
dass wir menschlicher werden
zusammenhalten
aneinander denken
dass wir nachdenken
Es ist doch offensichtlich
dass Corona die neue Pest ist
dass wir alle sterben werden
dass dies unser Ende ist
Es wäre gelogen, würde ich sagen
Corona bringt uns zusammen!

Nehmen Sie sich doch bitte die Zeit und lesen den Text nochmal
– von unten nach oben.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Landeanflug

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

Pfingsten liegt nun schon wieder fast drei Wochen hinter uns. Auch jene Tage waren diesmal anders als sonst und doch auch wieder auf ihre Weise geistreich. Folgende nachdenkliche Geschichte wollen wir gerne noch mit Ihnen teilen:

In einer kleinen sizilianischen Bergstadt war ein Pfarrer, der sei­ner Gemeinde die großen Geheimnisse Gottes gern sichtbar ma­chen und handgreiflich nahe bringen wollte. Er hatte viel Phanta­sie dabei. Und so erlebte es die staunende Gemeinde an jedem Pfingstfest, dass nach der Verlesung der Pfingstgeschichte hinter dem Altar eine weiße Taube aufflog. Und wem sich diese Taube auf die Schulter oder gar auf den Kopf setzte, dem, so hieß es, sei in diesem Jahr eine besondere Erleuchtung durch den Heiligen Geist gewiss.


Natürlich wussten die Leute, dass der Pfarrer dem Küster die An­weisung gegeben hatte, sich mit der Taube in der Hand hinter dem Altar zu verbergen und diese Taube am Ende der Pfingstge­schichte in die Luft zu werfen – aber es war trotzdem immer wie­der ein mit Spannung erwarteter Moment, und das Staunen war in jedem Jahr dasselbe. Wo würde die Taube diesmal landen, wel­ches Wunder würde der Heilige Geist in diesem Jahr bewirken?

Denn es hatte sich auf diese Weise schon manches Wunder ange­kündigt. Vor einigen Jahren war die Taube dem Lehrer auf die Schulter geflogen, und der hatte danach ein geistvolles Buch ge­schrieben. Einmal hatte sie sich dem Bürgermeister auf den Kopf gesetzt, und der ließ auf eigene Kosten eine neue Wasserleitung für die Stadt bauen, die „Wasserleitung des Heili­gen Geistes“, wie sie jetzt hieß. Und in einem Jahr war die Taube auf den Schultern des geizigen Verwalters des städtischen Armenhauses gelandet, und der hatte daraufhin den Entschluss gefasst, mit den Geldern, die er unterschlagen hatte, einen Kinderspielplatz zu bauen. Es war also immer span­nend und zukunftsträchtig, was am Pfingstfest mit der Taube ge­schah. Dann bekam die Gemeinde jedoch einen jungen, modernen Pfar­rer aus dem Norden. Der hielt nichts von solchen spektakulären Aktionen und von dem Aberglauben, der für die Gemeinde damit verbunden war. Doch so sehr er auch gegen diesen Unfug wet­terte und sich über den Aberglauben lustig machte: Er wagte an Pfingsten dann doch nicht, die weiße Taube einfach abzuschaffen.

Er hatte sich – wie er meinte – eine Übergangslösung ausge­dacht: An diesem Pfingstfest sollten alle Fenster und Türen der Kirche weit geöffnet bleiben, denn wenn die Taube, wie er hoffte, den Weg in die Freiheit nehmen würde, statt sich einem Gottes­dienstbesucher auf Kopf oder Schulter zu setzen, würde sich die­ser unsinnige Brauch von selber in Luft auflösen.

Natürlich waren alle Gemeindemitglieder gespannt, was an die­sem Pfingstfest geschehen würde. Die Kirche war noch voller als sonst. Gespannt warteten alle auf das Ende der Pfingstgeschichte. Die Taube flatterte wie jedes Jahr hinter dem Altar hervor. Sie flog drei Runden durch die Kirche, vom Pfarrer und der Gemeinde gespannt mit den Augen verfolgt. Was würde sie tun?

Sie ignorierte die geöffneten Fenster und Türen, flog immer nied­riger – und setzte sich just dem neuen jungen Pfarrer auf die rechte Schulter. Dem war das sehr peinlich, die ganze versam­melte Gemeinde aber wusste sich vor Freude kaum zu halten und applaudierte lange vor Begeisterung. 

So kann es gehen, wenn man dem Heiligen Geist zu wenig zu­traut. Und ich bin mir sicher, dass auch der neue junge Pfarrer in der Geschichte im Jahr darauf irgendetwas Geistvolles, Gutes getan hat, und dass seine Stellung in der Gemeinde fortan viel­leicht etwas besser wurde …

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger