GG

„Sich kümmern“

Liebe Gemeindeglieder dort draußen,
zurzeit aber noch viel mehr da drinnen,

knapp drei Wochen nun schon offiziell keine Schule und keine Kita, tagelang weitgehend zu Hause bei keinerlei Verabredungen, viele überwiegend im „Homeoffice“ und draußen tatsächlich kaum mehr eine Begegnung ohne 1,5 Meter Mindestabstand. Höchst erfreulich, wie ein ganz großer Teil von Leuten sich hier einsichtig zeigt und Rücksicht nimmt. Weiter so, bayernweit erstmal noch bis mindestens 19. April 2020 – all das beste Voraussetzungen für erste, vage Hoffnungszeichen.

Jenseits der schlimmen Folgen, die eine solche Pandemie vor allem für ältere sowie chronisch kranke Menschen bedeuten kann, eröffnet eine solche Krise immer auch Räume für Zusammenhalt. Wir meinen damit beispielsweise, dass schon jetzt viele sich wieder mehr um andere kümmern, Jugendliche Einkäufe übernehmen, sich bei Hopfenbauern melden, Pappenheimer spontan Gesichtsmasken nähen und Medizinstudierende an Kliniktüren anklopfen.

Man spürt plötzlich, dass nahezu alle in unserer Gesellschaft überall Hand in Hand bis zur allgemeinen Erschöpfung arbeiten, damit möglichst keiner durch das soziale Netz fällt. Der Alltag wird von jetzt auf gleich zu einem Ort gelebter Nächstenliebe und bietet plötzlich Raum für Gottesdienst. Schließlich ist eben der Alltag immer auch Gottesdienst. Und der fällt eigentlich nie aus. Schon gar nicht wegen Corona!

Doch auch wir Christen müssen in diesen Tagen lernen: Die vielen Gottesdienste am Palmsonntag, am Gründonnerstag, auch an Karfreitag, in der Osternacht und den folgenden beiden Osterfesttagen – sie alle diesmal ganz anders zu erleben. Und wir tun das: Lassen uns – dort wo‘s möglich ist – beispielsweise einladen zu Predigten mit Pfarrerinnen und Pfarrern unserer Region an den besonderen Tagen der Karwoche und zu Ostern aus beiden Konfessionen im Wechsel via Video-Stream unter www.nordbayern.de/region/weissenburg/1.9960554

Die aktuelle Predigt zum Palmsonntag für Pappenheim, Osterdorf und Niederpappenheim mit Übermatzhofen finden Sie ab 5. April 2020 zum Hören und Sehen auf www.osterdorf-evangelisch.de

Das Kümmern in der Nachbarschaft. Der ermutigende Anruf. Der Einkaufskorb vor der Tür. All dies wird auch weiterhin nötig sein. Bleiben wir darum dran. Mit Gottes Hilfe. Bleiben dran, solange es nötig ist.

Weiterhin also viel Kraft und Geduld sowie zugleich Gesundheit, Durchhaltevermögen und Gottes Bewahrung wünschen Ihnen

Ihre beiden Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

„Gewinnen und verlieren”

Ein Mensch wurde gefragt: „Was gewinnst du denn eigentlich, wenn du regelmäßig betest?”
Der Mensch antwortete: „Nichts …   Aber ich kann dir sagen, was ich verliere: Sorgen und Furcht, Egoismus und Bekümmerung, Schwermut und Unsicherheiten und sogar die Angst vor dem Tod.”

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal ist die Antwort auf unsere Gebete nicht, dass wir etwas gewinnen, sondern dass wir etwas verlieren. Und zwar etwas Unangenehmes, uns Bedrückendes oder Bedrängendes. Ja, das wäre dann ein Gewinn des Betens.

Viele verstehen ja unser Beten immer wieder, dass Gott ihnen Wünsche erfüllt. Und halten Gebete für sinnlos, denen nicht gleich die Erfüllung der Wünsche folgt. Ich glaube, das ist mit Sicherheit der verkehrte Weg mit dem Beten umzugehen.

Natürlich dürfen wir uns von Gott etwas wünschen. Zugleich aber sollten sich alle Betenden bewusst sein, dass Gott mehr ist und größer, als nur mein „Wunscherfüller”.

Verlieren beim Beten –
tatsächlich erzählen viele Menschen, dass sie ihr Beten, also Hinwenden zu Gott erstaunlich ruhig werden lässt. Weil sie sich damit auch einmal abwenden von sich selbst. Und solche Ruhe kann etwas Wunderbares sein.

Andere erzählen, dass sie etwas bekamen, was sie überhaupt nicht wollten  – und seltsamerweise wurden sie damit zufrieden und glücklich.

Zuletzt bestätigt das alles Jesus und sein Gebet im Garten Gethsemane. Auch da bat er um etwas anderes; er wünschte sich: Der Kelch möge an ihm vorüber gehen.

Er fügte aber noch einige Worte hinzu, er sagte: „… aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.” Und damit war er bereit, den Weg Gottes als seinen Weg zu erkennen.

Wünsche erfüllt bekommen oder neue Blickwinkel gewinnen? Gewinnen oder verlieren? Eine Frage, die auch in die komplizierte Problematik dieser unheilvollen Tage passt.

Ganz besonders dürfen wir uns in diesen Tagen und Wochen im Gebet Gott anvertrauen. Und wir dürfen ihn bitten, dass er uns Menschen durch diese weltweite Gefahr hindurch hilft und uns in unserer Furcht mit seiner Nähe stärkt.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft, aber auch eine christliche Gelassenheit, in Zuversicht diesen Tag gut zu bestehen.

Aus einem Gebet von Eckhard Herrmann (abgedruckt im Sonntagsblatt Nr. 13) gebe ich gerne einige Zeilen an Sie zum Mitbeten weiter: 

„Macht euch keine Sorgen”,
hast du gesagt, Gott. Und: „Ich sorge für euch!”

Das sagt sich so leicht!
Es geht mir gar nicht um mich.
Ich denke an meine Familie,
an meine Kinder und ihre Familien.

Dass sie in Frieden leben können,
dass Menschen sie begleiten,
die ihnen Verständnis und Vertrauen entgegenbringen,
und dass sie zuversichtlich nach vorne schauen können.

Und dass unsere Welt lebenswert bleibt
für alle Menschen –
noch viele Jahrhunderte und Jahrtausende.
Das alles kommt mir in den Sinn, wenn ich von Sorgen
rede, die mich bewegen und belasten.

Ich möchte glauben, Gott, und dich bitten,
dass du für uns sorgst;
dass du uns nicht uns selbst überlässt
in unseren Ängsten und mit unseren Sorgen;
dass du uns immer wieder einen Weg zeigst,
der uns, wenn Dunkelheit uns erfüllt und umgibt,
ins Licht des Lebens führt. 

Amen.

In Verbundenheit grüßen Sie herzlich
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

„Hände falten“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser(innen),
daheim in den eigenen vier Wänden
oder längst draußen im frühlingshaften Garten
oder nur im Ausnahmefall mal kurz unterwegs für nötigste Besorgungen,

all dies macht das Corona-Virus gerade nötig und ist somit zweifellos die größte Herausforderung dieser Tage. Es bringt durcheinander, wie wir arbeiten, wen wir treffen, wie wir unseren Glauben leben – unser Alltag steht Kopf. Damit verändert sich der Blick aufs Leben. Wer oder was trägt mich, wenn mir Sorgen unruhige Nächte bereiten? Wie mit einer solchen bisher nie da gewesenen Situation umgehen?

Das Gebet ist neben vielem anderen eine Möglichkeit. Wir wollen Ihnen dazu schon heute ein paar einfache Bitten mit ins Wochenende geben – das vorletzte in der diesjährigen Passionszeit. Und vielleicht mögen diese ja auch zu Ihren je eigenen Worten werden in diesen momentan so ungewissen Tagen und Nächten:

Guter Gott,
bei dir sind wir geborgen, auch dann, wenn die Corona-Viren fliegen.
Stärke alle, die jetzt Angst haben: Dass sie gelassen bleiben.
Stehe allen bei, die erkrankt sind: Dass sie genesen.
Sei bei allen Angehörigen von bereits Verstorbenen,
dass sie in ihrer Trauer deinen Trost erfahren.
Schließlich hilf auch uns, dass wir auch weiterhin
achtsam und besonnen handeln, weiter auf Abstand bleiben und so diese Krise gemeinsam durchstehen.
Amen.

Lassen wir uns in dieser Zeit voller Vertrauen in die bergenden Arme unseres menschenfreundlichen Gottes fallen. Ein Gott, der mit uns geht – gerade eben auch in schweren Zeiten.

Dazu ein Tipp für alle, die daheim Internetzugang haben: Interessierte können am Sonntag und den bevorstehenden Feiertagen ab 09:30 Uhr Predigten von Pfarrerinnen und Pfarrern unserer Region über Video-Stream verfolgen. Die Adresse dazu lautet:

www.nordbayern.de/region/weissenburg/1.9960554

Ein achtsames Maß an Abstand, eine ordentliche Portion Geduld und weiterhin einen stets fürsorglichen Blick auf unsern Nachbarn – all das wünschen wir Ihnen bei hoffentlich auch weiterhin stabiler Gesundheit verbunden noch mit dem Hinweis, von Samstag auf Sonntag doch bitte auch ans -Umstellen zu denken …

Ihre beiden Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

„Freuet euch!“

Liebes Gemeindemitglied,
liebe Leserin, lieber Leser!

Vor gerade mal vier Wochen habe ich in unserem Gemeindebrief einen Gruß geschrieben. Ich habe nachgedacht, an welcher unserer persönlichen „Stellschrauben” wir in der Passionszeit einmal drehen könnten –  uns selbst zugute.

Und weiter: „Und mitten drin in der Passionszeit, mitten in aller Ernsthaftigkeit gibt es dann plötzlich noch etwas: Einen „ Ausreißer”. Der Sonntag heißt „Lätare –  Freuet euch!” Er markiert ganz bewusst einen Einschnitt. Er ist wie eine Oase auf dieser kirchenjahreszeitlichen Durststrecke. Er gibt uns das Signal: Gott hilft dir! Vertraue darauf, hinter aller Dunkelheit steht Gottes Licht! Auf Karfreitag folgt Ostern! 

Lätare – ein Silberstreif am Horizont. Ein Zeichen, dass keine Passion ewig dauert …“

Nun leben wir in der Woche „Lätare“. Die Welt ist inzwischen völlig auf den Kopf gestellt. Und ein „Freuet euch!“ liegt in weiter Ferne.

Eine Passion ganz unvorstellbar anderer Art hat begonnen und ein Ende ist nicht abzusehen. Sorgen um uns, um unsere Mitmenschen, unsere Gesellschaft und unser Land und darüber hinaus bedrängen uns.

Trotzdem gilt: Auf Karfreitag folgt Ostern!

Vielleicht haben Sie Lust, das Bild auszudrucken: Ein Lätare-Strauß. Mit Zweigen und Bändern.

Ein Strauß der Freude mitten im Leiden. Er soll Freude machen, weil er uns gewiss macht, dass Gott uns selbst nahe ist in Sorgen und Furcht. Und auch, dass Christus mit uns Menschen leidet.

Drei Zweige hat der Strauß, drei Bänder und drei Brezeln.

Die Zweige mit den Knospen stehen dafür, dass das Leben siegt. Dass wir nicht gefangen bleiben müssen in der Angst, sondern Hoffnung und Zukunft bekommen.

Die Bänder stehen für die noch kommenden Sonntage der Passionszeit – rosa für den letzten Sonntag Lätare; die violetten Bänder für die Sonntage, die noch vor uns liegen.

Die Brezeln in Form einer Acht stehen für die Ewigkeit Gottes. Er war da für uns, ist da für uns und bleibt da für uns – von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Normalerweises muss man den Lätare-Strauß verschenken, um anderen eine Freude zu machen und die Hoffnung auf Gott weiter zu sagen. Das können wir derzeit leider nicht machen.

Aber wir können das Bild des Straußes teilen und Gedanken dazu weiterschicken. Das will ich hiermit tun.

Vielleicht machen wir anderen damit eine Freude und erzählen ihnen so von Gottes Barmherzigkeit und Treue.

Geben Sie auf sich Acht und bleiben Sie gesund.

In Verbundenheit grüßen Sie   
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

Laetare-Strauß
Corona-Krise

Bis auf weiteres (Stand: März 2020) finden keine öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen und Gottesdienste statt. Das gleiche gilt für Gruppen und Kreise.