Impuls

1 2 3 7

1. Mai

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

geht es Ihnen auch so? In diesen Tagen kann man manches Liegengebliebene aufARBEITen. Der Nachbar legt den Rasen hinter dem Haus neu an. Andere schleifen Möbel ab und streichen sie. Ordner, Schränke, Schubladen werden ausgemistet und so neuer Platz geschaffen.

Erster Mai – historisch hat dieser Tag zu tun mit dem Streit um den Acht-Stunden-Arbeitstag, später dem Eintreten für die Fünf-Tage-Arbeitswoche. Und natürlich geht es auch Anfang der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts noch immer um Fragen des Einkommens, des Urlaubsanspruchs, der Arbeitsverdichtung.

Überhaupt hat sich die ARBEIT für viele von uns grundlegend gewandelt. Viele praktizieren Homeoffice in diesen Wochen und Monaten. Manche oft noch immer in Kurzarbeit. Andere gar fürchten um ihren Arbeitsplatz und um ihr Auskommen. Läden und Firmen blieben und bleiben z. T. weiterhin geschlossen.

Anderes Arbeiten dagegen wird plötzlich aufgewertet: Medizinisches Personal, Verkäuferinnen und Verkäufer haben in Zeiten wie diesen Hochkonjunktur. Aber auch Freiwillige, die in Impfzentren mit anpacken oder Einkäufe für andere erledigen. Wir wünschen uns sehr, dass solche Erfahrungen nachhaltig sind und mittelfristig zu einem veränderten Wirtschaften und zu neuer, auch finanzieller, Bewertung von Arbeit führen.

Im Moment kommt aber noch ein anderer Aspekt von ARBEIT in den Blick: und zwar die seelische und die zwischenmenschliche. Die Nerven liegen bei uns allen weitgehend blank – allgemeine Gereiztheit allerorten. Man muss umgehen mit eigener schlechter Laune und mit Stress im Zusammenleben. Umgekehrt haben wir gerade auch in unseren Gemeinden echte Sehnsucht nach den Gruppen und Kreisen, nach Schüler*innen und Konfirmand*innen. Endlich mal wieder was gemeinsam machen: Singen, Spielen, Gedanken teilen.
Warum die Zeit eigentlich nicht nützen, um auch zwischenmenschlich Liegengebliebenes aufzuARBEITen? Im Johannes-Evangelium macht Jesus das vor (Johannes 21). Als Auferstandener begegnet er den Jüngern am See Genezareth. Sie essen miteinander. Jesus sitzt neben Petrus. „Hast du mich lieb?“ fragt Jesus. „Ja“ sagt Petrus. – Aber ihm fällt sofort ein, wie er sich am Abend von Jesu Verhaftung verhalten hat. Weggelaufen ist er. Verleugnet hat er ihn. Dreimal. „Hast du mich lieb?“ fragt Jesus noch einmal. Kein Bohren in alten Wunden. Das Alte soll nicht mehr zählen! Nur die Frage „Hast du mich lieb? Wollen wir wieder gut sein miteinander?“

Wie also wäre es, in diesen Tagen wieder mal Kontakt aufzunehmen zu Menschen, von denen man sonst eher wenig mitbekommt. Verstärkt Anteil zu nehmen an dem, wie einzelne Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte momentan gerade fühlen. Was ihr Herz in diesen Zeiten schwer macht, es an den Rand des Zerbrechens führt …

Peter Gröger fand hierfür folgende Worte:

1.000 Scherben

Wenn eine Glasscheibe zerbricht,
dann hört man das.

Wenn ein Tonkrug zerbricht,
dann hört man das.

Wenn dagegen ein Herz bricht,
dann hört man nichts.
Und doch ist der Schmerz so gewaltig,
als würden alle Glasscheiben und Tonkrüge
dieser Welt brechen.

Ihnen allen nun einen rundum achtsamen wie gesegneten „Tag der Arbeit“,

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Wunderbare VERWANDLUNG

KiGo online: Zusammen mit der Raupe Pasquarella wollen wir beim Online-Kindergottesdienst (über Zoom ) eine zugleich wundersame, aber ebenso wunderbare Geschichte miterleben. Sei dabei und erlebe es selbst mit!

Bitte melde dich rechtzeitig bis Montag, 19. April 2021, an bei:
Nicole Heinrichmeyer (E Mail nicole.heinrichmeyer@elkb.de ) oder
Petra Münch-Popp (E-Msail: familie.popp.pappenheim@web.de | 09143 830 333 )
Nach deiner Anmeldung erhältst du von uns eine Tüte mit allen weiteren Infos sowie allem, was du für den KiGo „@ home“ brauchst.

Auferstehung – die Zeit bleibt stehen

Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem riesigen Kuppelfresko des Florentiner Doms. Giorgio Vasari und Federico Zuccari haben die Kuppel von 1572 bis 1579 ausgemalt. Das 4.000 m² große Fresko gilt als das größte der Welt und es thematisiert das Jüngste Gericht, die Auferstehung und Christus als den Weltenrichter. 

Ein kleines Detail, kaum zu sehen, aber so eindrucksvoll, ist auf dem Bild zu sehen. Jesus sitzt auf seinem Thron im Strahlenkranz, der Mandorla. Er sortiert dort die Menschen zur Rechten und zur Linken, zum ewigen Leben bzw. zur ewigen Verdammnis.

Zu seinen Füßen sieht man ganz klein den blauen Planeten Erde. Daneben ein kleiner Engel mit einem Hammer und einem Nagel. Von unten im Kirchenschiff sind diese Details kaum zu sehen. Auf einem virtuellen Spaziergang bequem online zu Hause, wird man auf dieses kleine Bild aufmerksam gemacht.

 Der Engel schlägt den Nagel in die sich drehende Erde – und damit bleibt sie stehen. Auferstehung. Die Erde, und damit die Zeit, bleibt stehen. Dann, bei der Auferstehung am Ende der Zeit, wird die Zeit angehalten.

Die Erde dreht sich nicht mehr um sich selbst. Denn alles ist vollendet. Recht wird gesprochen, Gerechtigkeit wird sein. „Nichts geht mehr“ – die Erd-Kugel bleibt liegen…

Auch ich möchte manchmal, dass die Zeit stehen bleibt: Vielleicht ist der Augenblick gerade so wunderschön. Im Urlaub, oder mit lieben Menschen, oder aufgrund der Stille rings um mich herum… Wer hält mir die Zeit an? Den Klän-gen der Musik zu lauschen, mit geschlossenen Augen, Die Musik spielt nur für mich. Wer hält mir die Zeit an?

Und genauso gibt es Momente, da möchte ich, dass die Zeit schneller vergeht. Minuten werden zu Stunden, Stunden zu Tage. Sinnloses Warten, zähe Sitzungen und Konferenzen. Aber auch das beklemmend-bittere Warten auf den Tod am Bett eines Sterbenden; das Aushalten von Trauer, Abschied nehmen. Da möchte ich die Zeit beschleunigen, der Erde einen Schubs geben, damit sie sich schneller dreht.

Ein toller Gedanke, finde ich. Das ewige Kreisen hat ein Ende. Und mein endliches Kreisen hat ein Ende. Meine Zeit bleibt einfach stehen und ich werde vor dem rettenden Richter oder dem richtenden Retter stehen. Er wird mich ansehen.

Und wenn ich ein bisschen verstanden habe von dem, was uns Jesus im neuen Testament sagt, wenn ich ein bisschen verstanden habe von dem, was Christus den Frauen am Grab zuspricht, dann brauche ich mir die Bilder von der ewigen Verdammnis nicht allzu lange ansehen.

„Friede sei mit dir“ – und mit der ganzen Welt.

Das Stöhnen der Erde und das Schreien der Menschen haben ein Ende. Das Kreisen in und um meine kleine Welt hat ein Ende. Selbstzweifel und Selbst-gerechtigkeit haben ein Ende: Friede sei mit dir. Christ ist erstanden, er ist auferstanden.

Wir wünschen Ihnen „Frohe Ostern!“
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

Karfreitag

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

Karfreitag braucht keine großen Worte. Stattdessen nur aufmerksames Wahrnehmen, erschrockenes Hinsehen, stilles Mitleiden. Wir wollen darum an einem solchen Tag wie diesem lediglich einzelne Wortfetzen der Theologin Marie-Luise Langwald mit Ihnen teilen.

Verrat – Spott – Verurteilung
Dornenkrone – Nägel – Kreuz
Schmerzen – Blut – Leid
Der Heiland stirbt.
Tod vernichtet Leben.

Kriege – Katastrophen – Krankheiten
Tod vernichtet noch immer Leben.

„Im Kreuz ist Heil,
im Kreuz ist Leben,
im Kreuz ist Hoffnung.“

Ein wenig Gold
leuchtet im Schwarz,
eine Ahnung des Lebens
weitet sich.
Jesus Christus,
nähre unsere Hoffnung.

Heute sind es tatsächlich nur weitgehend karge und stille Grüße, mit denen wir uns selbst in den schmerzlichsten Tiefen des Leidens mit Ihnen allen dennoch aufs Engste verbunden wissen.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Abendmahl

Manche von uns kennen das Bild. Die Schwester und Künstlerin Christamaria Schröter aus der Gemeinschaft in Selbitz hat es für ihre Christusbruderschaft-Communität im Ordenshaus dort entworfen und gestaltet.

Den Kopf leicht geneigt, die überlangen Arme sind um die am Tisch sitzenden Jünger*innen gelegt. Deutlich können wir Brot und Kelch sehen: Abendmahl.

Nur bei einem, vorne links, reicht der bergende Arm Jesu nicht ganz. Er hat seine Hand auf dem Tisch; zählt er seine Geld? Aber er sitzt immer noch mit den anderen zusammen, ist immer noch Teil von ihnen, Teil der Gemeinschaft am Tisch Jesu.

Das Bild blickt schon weiter. Der Kopf Jesu ist leicht geneigt, wie später am Kreuz. Sein Körper ist transparent und doch wieder nicht.

Merken die Jünger*innen, dass Jesus da ist, dass er mitten unter ihnen ist? Ihre Haltung lässt eher Traurigkeit, vielleicht Hilflosigkeit  vermuten. Und doch steht er mitten unter ihnen.

Der Hintergrund leuchtet blau wie ein Sternenhimmel. Ein Stück Kreuzesbalken ragt von links herein.

Die verschiedenen Köpfe am Tisch laden mich ein: Entdecke ich mich selbst unter den Sitzenden? Ich sehe die Haare und denke mir: Da sitzen Frauen und Männer, Alte und Junge.

Denke ich mich in den Raum in Selbitz hinein, bin ich selbst in dem Bild, bin Teil der dort Anwesenden.

Das Bild hat für mich etwas Tröstendes. Trotz aller Niedergeschlagenheit. Ich erkenne in ihm das letzte gemeinsame Abendmahl, ich sehe Andeutungen und Hinweise auf Karfreitag. Und es weist in Jesu Leib schon auf die Auferstehung hin.

Ein gutes Bild, für die kommenden Tage.  

Mit herzlichem Segensgruß
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

Palmsonntag

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

schon wieder in Sichtweite – der Palmsonntag. Mit ihm beginnt die Karwoche. Die „heilige Woche“, sagen manche. Sie führt uns durch die Tage, an denen wir das Leiden und Sterben Jesu bedenken, hin zum Fest seiner Auferstehung: Ostern. Aus der Vereinzelung und der Distanz, die „in Zeiten wie diesen“ eben noch immer von uns verlangt ist, machen wir uns mit Jesus auf den Weg.

Es waren Krisenzeiten – schon damals. Das Land Israel von den Römern besetzt, Willkür und Unterdrückung allerorten. Das Volk sehnte sich nach Freiheit. Die Evangelien lassen hiervon etwas erahnen, wenn sie Geschichten erzählen von Zöllnern und Steuereintreibern oder den Soldaten des Herodes. Schon so manche Heilsbringer waren aufgetreten, alle aber hatten sie immer nur neue Gewalt gebracht und sind am Ende kläglich gescheitert.

Und nun kam Jesus von Nazareth. Wieder regten sich Hoffnungen, schlugen die Wogen der Begeisterung hoch. Menschen legten Zweige auf die Straße, wie vor einem König. Begrüßten ihn mit Worten jüdischer Tradition: „Hosianna, dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

In dieser Szene ist nun manches wiederzuerkennen, was auch uns in diesem Jahr maßgeblich bewegt. Krisenmodus zu Coronazeiten. Sehnsucht nach Aufhebung verordneter Einschränkungen. Hoffnung, dass Politik und Wissenschaft einen guten Weg finden, Gesundheit und Freiheit in eine kluge, heilsame Balance zu bringen.

Die Menschen damals mussten begreifen, dass es anders weiterging, als sie dachten. Jesus wurde nicht zum König gekrönt, stattdessen verurteilt und gekreuzigt – samt jener nach drei Tagen schon wundersamen österlichen Wendung. Brachte nicht neue Gewalt, sondern Frieden. Und veränderte somit die Welt.

Auch aus unserer Krise werden wir verändert hervorgehen. Erwartungen, dass die Zukunft sich wieder ähnlich wie die Zeit vor der Krise zeigen mag, werden wir korrigieren müssen. Dabei stehen uns die vielen Kranken vor Augen, die einsam Verstorbenen und jede Menge tapferes Pflegepersonal.
Zudem eine Wirtschaft, die sich nur allmählich wieder erholen wird. Und werden doch achtsamer miteinander umgehen, das Tempo ein wenig ruhiger, die Ansprüche bescheidener.

Die Strecke, die vor uns liegt, sie wird noch beschwerlich. Aber wir alle sind auf diesem Weg nicht allein. Der Weg ist bereitet: Mit Jesu Gang durch die Tiefen des Leidens, den Tod und weiter in ein neues Leben – da keimt Hoffnung am Horizont.

Aus jeder Krise ersteht Leben neu. Meist anders als zuvor. Eben verwandelt. Und am Ende dann wird uns EINER mit offenen Armen empfangen, an sein großes Herz drücken und so alle darauf lastenden Steine zu Fall bringen.

Ihnen allen nun einen gesegneten Palmsonntag sowie einen bewussten und zugleich nachdenklichen Start in die beginnende Karwoche.

Ihre beiden Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Ein Reisebericht zum Weltgebetstag

Weltgebetstag · Vanuatu 2021 · „Worauf bauen wir?“

Einladung zum Gottesdienst mit Beiträgen von Kirchengemeinden quer durch den Dekanatsbezirk Pappenheim: Kipfenberg · Langenaltheim · Pappenheim · Solnhofen · Markt Berolzheim · Wettelsheim · Schambach · Bieswang

Gottesdienst zum Weltgebetstag ab Freitag, 05.03.2021, 15:30 Uhr:

https://dekanatsfrauentag/weltgebetstag

Hut ab!

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

Fasching, Karneval, Fastnacht – seit gestern nun wieder Vergangenheit. Was heuer anders war: Kaum irgendwo Narren auf der Straße, keine so rechten Prunksitzungen und selbst die Faschingsferien in diesem Jahr Fehlanzeige. Am Tag nach Faschingsende heißt es dann alle Jahre wieder:

Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei.
Von all´ deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.

Der Unterhaltungskünstler Jupp Schmitz hat diese Zeilen einst bekannt gemacht. Mit dem Aschermittwoch verbinde ich bis heute die Erinnerung an eine Besonderheit aus meiner Kindheit. Die Jecken aus dem örtlichen Faschingsverein in meinem Heimatort Neustadt a. d. Aisch trafen sich jedes Jahr regelmäßig am Vormittag des Aschermittwoch – nicht selten sichtlich aspiringedopt – um im Brunnen auf dem Marktplatz symbolisch ihre leeren Geldbörsen auszuwaschen und diese dort dann öffentlich zum Trocknen aufzuhängen. Eine interessante Tradition, die sich bis heute gehalten hat. Möglicherweise hängen die leeren Geldbeutel diesmal mit 1,5 Meter Abstand zueinander auf der Leine, aber sie hängen. Auch in Zeiten von Corona.

Diese besondere Tradition der leeren Geldbörsen hat mich schließlich an folgende kleine Begebenheit erinnert:

Auf dem Gehsteig einer belebten Einkaufsstraße sitzt ein blinder Mann. Wie jeden Morgen sitzt er da. Vor ihm sein umgedrehter Hut, daneben ein Schild, jeden Tag steht dasselbe drauf: „Ich bin blind und brauche Hilfe!“ Ich selbst sitze auf einer Bank und beobachte das Geschehen. In der einen Hand eine knusprige Butterbreze, in der anderen einen heißen Kaffee.
Ständig gehen Menschen an dem blinden Bettler vorüber, doch einige wenige nur lassen im Vorbeieilen eine Münze in den Hut fallen, manchmal fallen sogar zwei Geldstücke in den Strohhut. Die meisten Passanten allerdings eilen vorüber, ohne den Bettler auch nur eines Blickes zu würdigen. Er sitzt einfach nur da, wie jeden Tag, sitzt am Rande der Einkaufsstraße und dankt nickend für jedes Geldstück, das in seinen Hut fällt. Mein Kaffee ist alle. Ich muss los. Als ich eben aufstehen will, sehe ich, dass eine junge Frau im Trenchcoat vor dem Blinden stehen bleibt. Kann nur ihren Rücken sehen. Sie beugt sich zu ihm hinunter, nimmt sein Schild in die Hand, sucht in der Tasche nach einem Stift und beschreibt die Rückseite der zerknickten Pappe. Soweit ich das aus sicherer Entfernung erkennen kann, wechseln sie dabei kein Wort. Am Ende stellt sie das Schild wieder an seinen Platz, steht auf und geht ihres Weges.
Neugierig und verwundert bleibe ich noch einen Augenblick sitzen. Etwas hat sich verändert. Immer noch eilen Passanten auf dem Platz von links nach rechts und von rechts nach links, aber es klimpert jetzt sehr viel öfter. Ein Geldstück nach dem anderen findet seinen Platz im Hut des blinden Bettlers. Sein Kopf nickt und nickt. Gleichzeitig beginnt er ungläubig mit dem Kopf zu schütteln. Seine Mundwinkel ziehen sich nach oben, er lächelt, nickt, es klimpert, er nickt, es klimpert und klimpert.

Nun muss ich aber wirklich los. Ich stehe auf und gehe auf den Bettler zu. Als ich vor ihm stehe, sehe ich die zerknickte Pappe. Mit schwarzem Stift und geschwungener Schrift hat sie dasselbe geschrieben, was vorher draufstand, nur hat sie andere Worte benutzt: „Es ist ein wunderbarer Tag“, steht dort, „Es ist ein wunderbarer Tag – nur kann ich ihn nicht sehen!“
Ein wohltuender Schauer läuft mir über den Rücken als auch ich ein Nicken und ein Lächeln für mein Klimpern ernte. Was für ein großes Herz sich in dem Trenchcoat verbarg, denke ich noch und mache mich dann zufrieden auf den Weg in den Tag.

Trotz Zeiten wie diesen wollen auch wir unserem Gott von Herzen dankbar sein für das wunderbare Geschenk des Lebens und dabei zugleich uns die Achtsamkeit bewahren gegenüber all jenen, denen gerade so manch schwere Last auf den müden Schultern liegt …

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

Valentin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Valentin – Bischof und Märtyrer, gestorben am 14. Februar 269 in Rom. Seit Mitte des 4. Jahrhunderts gab es dort auch eine Kirche ihm zu Ehren. Sie soll über seinem Hinrichtungsort und Grab errichtet worden sein.

Valentin gilt als Patron der Bienenzüchter, als Schutzheiliger gegen Mäuseplagen und Ohnmachtsanfälle – vor allem aber als Fürsprecher der Verlobten und einer „guten Heirat”.

Im Mittelalter wurde er als sehr volkstümlicher Heiliger (ähnlich St. Martin oder St. Nikolaus) besonders in Frankreich und England verehrt.

Seitdem ranken sich auch viele Bräuche um den 14. Februar, als den „Tag der Liebenden”. Man war damals der Meinung, dass sich die Vögel an diesem Tag im Februar zu paaren be-ginnen. Und daher „würde ein Mädchen auch den heiraten, den sie am Valentinstag als ersten Mann erblickt”. „Heiratswillige” Männer über-bringen deshalb ihrer Herzensdame möglichst früh am Morgen einen Blumenstrauß.

Diese Idee ist freilich erst Mitte des 20. Jahr-hunderts aus Amerika nach Europa gekom-men.
Der „Valentinstag” ist keine Erfindung der Blumenläden. Der römischen Göttin Juno, Be-schützerin von Ehe und Familie, wurde bereits zu Valentins Zeiten Blumen geopfert.

Die Legende erzählt, Valentin war ein ehrsamer Priester, der ein blindes Mädchen ge-heilt haben soll. Hilfe und Trost Suchenden schenkte er stets eine Blume aus seinem Garten. Trotz eines Verbotes des Kaiser Claudius traute er Liebespaare nach christli-chem Brauch und Ritus und half bei Beziehungs- und Partnerschaftskrisen mit seinem Rat. Deshalb wurde er enthauptet.

Ach ja, vielleicht noch eine Bauernregel zum Schluss: „Ist´s am Valentin noch weiß, blüht zu Ostern schon das Reis.” 😊

Mit herzlichen Grüßen,
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp

„Endlich durch mit dem vielen Dunkel“.

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

erst kürzlich jener alles andere als gewöhnliche Jahreswechsel und nun schon wieder der 2. Februar, Mariae Lichtmess oder Darstellung des Herrn. Mit acht Tagen, also zu Neujahr, wird Jesus beschnitten. Mit sechs Wochen, 40 Tage nach der Geburt, trägt nun Maria ihr Kind in den Tempel. Sie reinigt sich kultisch von der Geburt, stellt ihren Erstgeborenen Gott vor und bringt das vorgeschriebene Opfer. Damit endet nun endgültig die Weihnachtszeit und die Tage draußen werden wieder fühlbar länger.

In früheren Jahrhunderten endete hier das übliche Spinnen in den Stuben und die Arbeiten auf den Feldern wurden vorbereitet. Viele bäuerliche Regeln ranken sich um jenen 2. Februar. Kerzenweihe und Lichterprozessionen grüßten das zunehmende Licht und füllten diesen besonderen Tag zeitlich genau in der Mitte zwischen Wintersonnenwende und der Tag- und Nachtgleiche im März.

Sechs Wochen nach der Geburt – da normalisiert sich alles. Mutter und Kind haben sich aneinander gewöhnt, das neue Familienmitglied ist in der Familie angekommen. Beim ersten Kind, so wie bei Maria, sind alle Mütter und Väter noch unsicher, ob sie denn auch alles richtig machen. Aber nach sechs Wochen klappt selbst das Wickeln wie im Schlaf. Alles hat sich eingespielt. Mutter und Kind samt Vater haben ihren Rhythmus gefunden.

Hinter Maria liegt ein bewegtes Jahr voller Umbrüche und Umstellungen. Ihr Leben hat sich komplett umgekrempelt. Jener Engel, der ihr sagt: Du wirst ein Kind bekommen. Doch von wem soll das Kind sein, da ich von keinem Mann weiß, denkt sie. Ein Kind ohne Vater, in einer Gesellschaft, die Frauen steinigt, die ein uneheliches Kind erwarten.

Teenagerschwangerschaft. Was sagen ihre Eltern dazu? Wie Josef, ihr Freund, reagiert, deutet das Matthäusevangelium an: eigentlich wollte er sie sitzenlassen. Maria läuft weg von zuhause. Bei Elisabeth erlebt sie, wie Leben wachsen kann. Erst nach einem Vierteljahr findet sie schließlich die Kraft, nach Hause zurückzukehren.
Der Körper stellt sich um. Fühlt sich ab und an unwohl. Der Bauch wird rund und schwer. Sie spürt das Baby in sich, wie es sich bewegt und strampelt. Dann, als sie hochschwanger ist und jede werdende Mutter sich in Ruhe auf die Geburt vorbereiten möchte, muss sie erneut los, diesmal nach Betlehem. Eine Mehrtagestour, zu Fuß und das in ihrem Zustand. Und auf einmal war es da, lag in ihren Armen – jenes winzig anmutende neue Menschlein. Und dazu sollte es auch noch ein Gotteskind sein?

Wenn das keine Umstellungen sind! Innerhalb von neun Monaten ist aus dem Teenagermädchen eine junge Frau geworden, aus dem Kind eine Mutter und Ehefrau. Diese Maria, die vor nicht einmal einem Jahr noch verträumt und kichernd dagesessen hatte wie wohl alle hippeligen 13-Jährigen dieser Welt, sie ist nun für eine Familie verantwortlich.

Sechs Wochen nach der Geburt, bis heute Zeit des Mutterschutzes. Dann kehrt langsam wieder Normalität ein. Maria hält ihren Sohn im Schoß und schäkert mit ihm. Der kleine Nackedei juchzt ausgelassen und patscht mit seinen Händchen in ihr Gesicht. Greift nach ihrem Schmuck und streckt seine Arme nach allem Möglichen aus. Augenblicke unbeschwerten Glücks, Szenen der Lebensfreude, Momente, in denen Maria mit innigem Blick in ihr Kind versunken scheint.

Lichtmess: Draußen singen schon wieder die Vögel. Unter schwindendem Schnee graben sich bereits die Maulwürfe ans Licht. Sechs Wochen nach der Geburt zieht für Maria und ihr Kind endlich wieder ein Stück Alltag ein. Sie kehren nach Nazareth zurück. „Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und die Gnade Gottes lag auf ihm“, so in unsrer Bibel (Lk 2, 40). Zwei Alte haben sie zuvor im Tempel mit offenen Armen empfangen, Simeon und Hanna. Haben Eltern und Kind gesegnet und sich mit ihnen gefreut.

Von solcher Freude wollen auch wir uns anstecken und uns genau daran erinnern lassen: Bald wohl kehrt hoffentlich auch bei uns wieder schrittweise Gewohntes zurück nach allem, was da zuletzt war und uns noch immer gerade ziemliche Sorge macht …

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

1 2 3 7