„Kurz gefasst!“

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir haben es endlich mal wieder getan. Vergangenen Sonntag. Wir feierten gemeinsam Gottesdienst. Von Angesicht zu Angesicht. Wenngleich diese „Angesichter“ alle getarnt noch ziemlich im Verborgenen lagen. Und es ging dennoch gut – erstaunlich gut sogar, wie ich finde. Die Kirche dabei recht gut gefüllt – gleichmäßig wohl geordnet – soeben, wie es nun gerade mal möglich ist in solch reglementierten Zeiten.

Rund 35 Minuten als Glaubende endlich mal wieder beieinander im Hause Gottes. Das fühlt sich gut an. Man merkt eben doch – es hat was gefehlt in diesen vergangenen sechs Wochen, zumindest nach analogem Empfinden. Statt sonst rund eine Stunde nun immerhin schon mal 35 Minuten als Gemeinde Jesu am Kantate-Sonntag zusammen unter seinem Wort und Segen. In vorgegebenem Rahmen zwar kurz gefasst und darin dennoch Evangelium in Fülle. Schön, wenn dies zumindest so wieder möglich ist.

Da formuliert jemand: „Ich schreib‘ Dir heute ein langes Mail – weil für ein kurzes hab‘ ich diesmal keine Zeit.“ Zugegeben: Schon ein etwas seltsames Vorhaben, das da einer ankündigt. Warum soll ein langes Mail weniger Zeit brauchen als ein kurzes. Aber vielleicht ist da ja doch was Wahres dran. Dass man sich kurz fasst, ist oftmals tatsächlich Mehraufwand.

Bei einem Rabbi in der Schule war es so, dass er seine Schüler immer dazu aufgefordert hat, bei ihrer Antwort auf einem Bein zu stehen. Länger durften sie selbst bei den kompliziertesten theologischen Fragen nicht antworten. Auf einem Bein sollten sie stehen. Darin muss alles Wesentliche gesagt sein.

Als Jesus einmal gefragt wurde, was für ihn am Glauben das wichtigste ist, antwortete er (Mt 22, 37): „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt … und“ … das wiederum finde ich jetzt wieder besonders menschlich – er hörte dann nicht einfach auf, sondern sagte dann doch noch ein „und“ dazu. „Und das andere ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Gott | den Nächsten | mich selbst. In diesem Dreiklang der Liebe wünschen wir Ihnen, dass Sie sich in der begonnenen Woche möglichst häufig wiederfinden und ab und an mal probieren, ob auch Sie wirklich wichtige Dinge auf einem Bein stehend sagen können.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

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