Im engsten Kreis

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

wir wollen Sie alle heute ein weiteres Mal teilhaben lassen an einer Geschichte, die Zeiten wie diese eben auch immer wieder geschrieben haben:

„Als vor sechs Jahren der Vater starb, wurde man aufgefangen in einem Netz aus tröstlichen Ritualen. Die Aussegnung, dicht an dicht mit den Dorfleuten in der winzigen Leichenhalle: Ein murmelnder Fluss des Trostes. Tage später dann der Gottesdienst in der kleinen Kirche. Viele, sehr viele Bänke besetzt, und am Grab eine lange Reihe an Kondolierenden. Inniges Händeschütteln, herzliche Umarmungen. Hinterher saßen alle noch im Wirtshaus beieinander, erzählten von früher und man war schon wieder etwas gefasster.

Nun ist auch die Mutter gestorben. Und in die Trauer und die Tränen über ihren Tod mischte sich bald der Gedanke: Wie soll das gehen, eine Beerdigung in solchen Zeiten? Der Pfarrer sagte, nicht mehr als zehn Personen dürfen zum Friedhof kommen, Verordnung von ganz oben. Sagte aber auch, keiner wird weggeschickt. Auf dem Gottesacker hat ein anderer das Sagen, sollte das heißen. Aber wo sollte man danach hin? Ins gleiche Wirtshaus? Zu. Heim zum Bruder? Doch auch dort war das Virus präsent. Einer kam gerade aus der Quarantäne, eine andere hat kürzlich ihre Schwester getroffen, die erst positiv, dann negativ getestet worden ist. Und eine der Älteren in der Runde hatte es auf der Lunge. Keine gute Idee also, noch zwei Stündchen in der engen Stube zusammenzusitzen. Bis vor wenigen Tagen noch hat all dies so gegolten.

Es kamen also vier Geschwister, drei Ehepartner, mehrere Kinder – zehn Personen, wenn man christlich rechnet. Sargträger brauchte es nicht, die Urne trug die Bestatterin. Die Glocken läuteten, man stand draußen im Freien, Kerzen brannten keine. Auch Singen war nicht möglich. Stattdessen zwei ihrer Lieblingslieder vom Band. Texte tiefen Glaubens und dazwischen jede Menge Auferstehungshoffnung! Auch der Erdwurf nur vom Pfarrer. Dazu eine kurze Ansprache, Fürbitten, Vaterunser. Dann zur offenen Grabstelle für einen letzten Abschied. Und doch war es pietätvoll. Der Schwager stellte den Notenständer ins Gras und spielte auf der Geige anrührende Melodien im frischen Ostwind. Und wie sie da standen, immer 1,5 Meter Abstand zwischen den Grüppchen, wurde auf einmal sichtbar, was man im großen Beerdigungsrummel wohl glatt übersehen hätte: Nun kommt es auf sie an, jetzt, da die Eltern nicht mehr da sind. Darauf, dass die Familie zusammenhält. Sie nicht wieder so viel Zeit verstreichen lassen bis zum nächsten Treffen, bei dem sie die Eltern in ihren Erinnerungen weiterleben lassen. Ist es nicht das, was bleibt: das gemeinsame Erinnern? Es sind diese vier Grüppchen auf dem Friedhof, die es fortan pflegen wie die Blumen auf dem Grab.

Nachher standen sie dann noch auf dem Parkplatz zusammen, aßen die Brote, die sie eingepackt hatten, dazu warmen Tee. Dann nickten sie sich zu, winkten und fuhren nach Hause.“

Auch wir haben in diesen Tagen und Wochen immer wieder Menschen und Familien begleitet, die von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten. Es war für uns alle ganz anders als sonst, ungewohnt und doch haben wir uns zusammen mit Bestattern nach Kräften bemüht, den Abschied am Friedhof sehr wohl pietätvoll und in würdigem Rahmen zu gestalten. So eben war es möglich, dass Trauernden hinreichend Trost, Hoffnung und Zuversicht auch in solch besonderen Zeiten zugesprochen werden konnte. Seit Mittwoch nun sind Trauerfeiern draußen auf den Friedhöfen nun auch wieder bis maximal 50 Trauergäste bei dann 1,5 Metern Abstand möglich – das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist dabei zwar nicht verpflichtend – wird aber dennoch ausdrücklich empfohlen.

Sie alle sind nun auch zu den seit vergangenen Sonntag wieder neu gestarteten Gottesdiensten herzlich willkommen – unter den uns vorgegebenen Bedingungen und einem bis auf weiteres begrenzten Platzangebot.

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger

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