„Gewinnen und verlieren”

Ein Mensch wurde gefragt: „Was gewinnst du denn eigentlich, wenn du regelmäßig betest?”
Der Mensch antwortete: „Nichts …   Aber ich kann dir sagen, was ich verliere: Sorgen und Furcht, Egoismus und Bekümmerung, Schwermut und Unsicherheiten und sogar die Angst vor dem Tod.”

Liebe Leserin,
lieber Leser,

manchmal ist die Antwort auf unsere Gebete nicht, dass wir etwas gewinnen, sondern dass wir etwas verlieren. Und zwar etwas Unangenehmes, uns Bedrückendes oder Bedrängendes. Ja, das wäre dann ein Gewinn des Betens.

Viele verstehen ja
unser Beten immer wieder, dass Gott ihnen Wünsche erfüllt. Und halten Gebete
für sinnlos, denen nicht gleich die Erfüllung der Wünsche folgt. Ich glaube,
das ist mit Sicherheit der verkehrte Weg mit dem Beten umzugehen.

Natürlich dürfen
wir uns von Gott etwas wünschen. Zugleich aber sollten sich alle Betenden
bewusst sein,
dass
Gott mehr ist und größer,
als
nur mein „Wunscherfüller”.

Verlieren beim Beten –
tatsächlich erzählen viele Menschen, dass sie ihr Beten, also Hinwenden zu Gott erstaunlich ruhig werden lässt. Weil sie sich damit auch einmal abwenden von sich selbst. Und solche Ruhe kann etwas Wunderbares sein.

Andere erzählen,
dass sie etwas bekamen, was sie überhaupt nicht wollten  – und
seltsamerweise wurden sie damit zufrieden und glücklich.

Zuletzt bestätigt
das alles Jesus und sein Gebet im Garten Gethsemane. Auch da bat er um etwas
anderes; er wünschte sich: Der Kelch möge an ihm vorüber gehen.

Er fügte aber noch einige Worte hinzu, er sagte: „… aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.” Und damit war er bereit, den Weg Gottes als seinen Weg zu erkennen.

Wünsche erfüllt bekommen oder neue Blickwinkel gewinnen? Gewinnen oder verlieren? Eine Frage, die auch in die komplizierte Problematik dieser unheilvollen Tage passt.

Ganz besonders
dürfen wir uns in diesen Tagen und Wochen im Gebet Gott anvertrauen. Und wir
dürfen ihn bitten, dass er uns Menschen durch diese weltweite Gefahr hindurch
hilft und uns in unserer Furcht mit seiner Nähe stärkt.

Ich wünsche Ihnen
viel Kraft, aber auch eine christliche Gelassenheit, in Zuversicht diesen Tag
gut zu bestehen.

Aus einem Gebet
von Eckhard Herrmann (abgedruckt im Sonntagsblatt Nr. 13) gebe ich gerne einige
Zeilen an Sie zum Mitbeten weiter: 

„Macht euch keine Sorgen”,
hast du gesagt, Gott. Und: „Ich sorge für euch!”

Das sagt sich so leicht!
Es geht mir gar nicht um mich.
Ich denke an meine Familie,
an meine Kinder und ihre Familien.

Dass sie in Frieden leben können,
dass Menschen sie begleiten,
die ihnen Verständnis und Vertrauen entgegenbringen,
und dass sie zuversichtlich nach vorne schauen können.

Und dass unsere Welt lebenswert bleibt
für alle Menschen –
noch viele Jahrhunderte und Jahrtausende.
Das alles kommt mir in den Sinn, wenn ich von Sorgen
rede, die mich bewegen und belasten.

Ich möchte glauben, Gott, und dich bitten,
dass du für uns sorgst;
dass du uns nicht uns selbst überlässt
in unseren Ängsten und mit unseren Sorgen;
dass du uns immer wieder einen Weg zeigst,
der uns, wenn Dunkelheit uns erfüllt und umgibt,
ins Licht des Lebens führt. 

Amen.

In Verbundenheit grüßen Sie herzlich
Ihre Pfarrer Gerd Schamberger und Wolfgang Popp