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„Endlich durch mit dem vielen Dunkel“.

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser*innen,

erst kürzlich jener alles andere als gewöhnliche Jahreswechsel und nun schon wieder der 2. Februar, Mariae Lichtmess oder Darstellung des Herrn. Mit acht Tagen, also zu Neujahr, wird Jesus beschnitten. Mit sechs Wochen, 40 Tage nach der Geburt, trägt nun Maria ihr Kind in den Tempel. Sie reinigt sich kultisch von der Geburt, stellt ihren Erstgeborenen Gott vor und bringt das vorgeschriebene Opfer. Damit endet nun endgültig die Weihnachtszeit und die Tage draußen werden wieder fühlbar länger.

In früheren Jahrhunderten endete hier das übliche Spinnen in den Stuben und die Arbeiten auf den Feldern wurden vorbereitet. Viele bäuerliche Regeln ranken sich um jenen 2. Februar. Kerzenweihe und Lichterprozessionen grüßten das zunehmende Licht und füllten diesen besonderen Tag zeitlich genau in der Mitte zwischen Wintersonnenwende und der Tag- und Nachtgleiche im März.

Sechs Wochen nach der Geburt – da normalisiert sich alles. Mutter und Kind haben sich aneinander gewöhnt, das neue Familienmitglied ist in der Familie angekommen. Beim ersten Kind, so wie bei Maria, sind alle Mütter und Väter noch unsicher, ob sie denn auch alles richtig machen. Aber nach sechs Wochen klappt selbst das Wickeln wie im Schlaf. Alles hat sich eingespielt. Mutter und Kind samt Vater haben ihren Rhythmus gefunden.

Hinter Maria liegt ein bewegtes Jahr voller Umbrüche und Umstellungen. Ihr Leben hat sich komplett umgekrempelt. Jener Engel, der ihr sagt: Du wirst ein Kind bekommen. Doch von wem soll das Kind sein, da ich von keinem Mann weiß, denkt sie. Ein Kind ohne Vater, in einer Gesellschaft, die Frauen steinigt, die ein uneheliches Kind erwarten.

Teenagerschwangerschaft. Was sagen ihre Eltern dazu? Wie Josef, ihr Freund, reagiert, deutet das Matthäusevangelium an: eigentlich wollte er sie sitzenlassen. Maria läuft weg von zuhause. Bei Elisabeth erlebt sie, wie Leben wachsen kann. Erst nach einem Vierteljahr findet sie schließlich die Kraft, nach Hause zurückzukehren.
Der Körper stellt sich um. Fühlt sich ab und an unwohl. Der Bauch wird rund und schwer. Sie spürt das Baby in sich, wie es sich bewegt und strampelt. Dann, als sie hochschwanger ist und jede werdende Mutter sich in Ruhe auf die Geburt vorbereiten möchte, muss sie erneut los, diesmal nach Betlehem. Eine Mehrtagestour, zu Fuß und das in ihrem Zustand. Und auf einmal war es da, lag in ihren Armen – jenes winzig anmutende neue Menschlein. Und dazu sollte es auch noch ein Gotteskind sein?

Wenn das keine Umstellungen sind! Innerhalb von neun Monaten ist aus dem Teenagermädchen eine junge Frau geworden, aus dem Kind eine Mutter und Ehefrau. Diese Maria, die vor nicht einmal einem Jahr noch verträumt und kichernd dagesessen hatte wie wohl alle hippeligen 13-Jährigen dieser Welt, sie ist nun für eine Familie verantwortlich.

Sechs Wochen nach der Geburt, bis heute Zeit des Mutterschutzes. Dann kehrt langsam wieder Normalität ein. Maria hält ihren Sohn im Schoß und schäkert mit ihm. Der kleine Nackedei juchzt ausgelassen und patscht mit seinen Händchen in ihr Gesicht. Greift nach ihrem Schmuck und streckt seine Arme nach allem Möglichen aus. Augenblicke unbeschwerten Glücks, Szenen der Lebensfreude, Momente, in denen Maria mit innigem Blick in ihr Kind versunken scheint.

Lichtmess: Draußen singen schon wieder die Vögel. Unter schwindendem Schnee graben sich bereits die Maulwürfe ans Licht. Sechs Wochen nach der Geburt zieht für Maria und ihr Kind endlich wieder ein Stück Alltag ein. Sie kehren nach Nazareth zurück. „Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und die Gnade Gottes lag auf ihm“, so in unsrer Bibel (Lk 2, 40). Zwei Alte haben sie zuvor im Tempel mit offenen Armen empfangen, Simeon und Hanna. Haben Eltern und Kind gesegnet und sich mit ihnen gefreut.

Von solcher Freude wollen auch wir uns anstecken und uns genau daran erinnern lassen: Bald wohl kehrt hoffentlich auch bei uns wieder schrittweise Gewohntes zurück nach allem, was da zuletzt war und uns noch immer gerade ziemliche Sorge macht …

Ihre Pfarrer Wolfgang Popp und Gerd Schamberger